Frankfurt/Main - Jeden Morgen öffnet Werner Weischedel (79) ein halbhohes Stahlgatter und lässt Araberstute Jenny aus ihrem Stall im Frankfurter Stadtteil Fechenheim. Dann spaziert das Tier hufklappernd über das Kopfsteinpflaster der Fußgängerzone in Richtung des Landschaftsschutzgebietes am Mainufer. Seelenruhig knabbert sie dort an Sträuchern und Gebüschen, Passanten grüßen sie freundlich. Die Polizei hat mit dem freilaufenden Tier kein Problem.

Der 32-jährige Raphael Wöllstein, der mit Kinderwagen und zwei Hunden unterwegs ist, freut sich über die Begegnung: „Guten Morgen“, sagt er und streicht Jenny über den Hals. „Seit Jahren läuft sie hier durch. Ich finde das toll.“ Auch seine Hunde sind begeistert und begrüßen das Tier schwanzwedelnd.

Dass die Spazierstrecke der Stute an den Straßenbahngleisen entlangführt, ist laut Halter Weischedel kein Problem. Passiert sei in 14 Jahren noch nie etwas. Die Straßenbahnfahrer kennen sie und machen extra langsam. Einer habe sie laut ihrem Besitzer sogar einmal über den Außenlautsprecher begrüßt: „Jenny, machst du uns mal bissche’ Platz.“ Eine Straße muss Jenny auf ihren kilometerlangen Wanderungen nicht überqueren.

Trotz eines Schildes mit Weischedels Kontaktdaten um den Pferdehals rufen regelmäßig besorgte Bürger bei der Polizei an, denen das vermeintlich herrenlose Tier auffällt. „Wir mussten noch nie tätig werden“, sagt Polizeisprecherin Isabell Neumann. Das Tier trägt zudem einen Zettel am Halfter mit dem Text: „Ich heiße Jenny, bin nicht weggelaufen, gehe nur spazieren. Danke.“

Den Kontakt mit anderen Tieren und Menschen genießt die 22 Jahre alte Stute. Vom Wetter lässt sich Jenny nicht abschrecken.

Nach Hause kommt sie am Nachmittag dann von ganz alleine: „Sie weiß, dann ist ihr Futter im Trog“, erklärt Weischedel.