FRANKFURT (ODER)/WRIEZEN - Eine vermeintliche Geiselnahme hat die ostbrandenburgische Kleinstadt Wriezen am Sonntag über Stunden in Schrecken versetzt. Ein 29-Jähriger, der mit Haftbefehl wegen einer Körperverletzung gesucht wurde, hatte sich auf der Flucht vor der Polizei in einer Wohnung in einem kleineren Plattenbaugebiet aus DDR-Zeiten verschanzt. Die Polizei fürchtete, er habe die Frau in seine Gewalt genommen und könne schießen oder Sprengstoff einsetzen.

Nach stundenlangen Verhandlungen stürmten maskierte Spezialeinsatzkräfte die Wohnung und nahmen überraschend drei Männer und eine Frau fest. Verletzt wurde niemand.

Der aus Wriezen stammende Mann war in der Nacht gegen 2 Uhr mit einem Auto in eine Routinekontrolle der Polizei geraten. Als der wegen Körperverletzung mit Haftbefehl Gesuchte seine Situation erkannte, flüchtete er zu Fuß. Weit musste er nicht rennen, seine Freundin wohnt keine 100 Meter entfernt. Sie ließ ihn ein. In der Wohnung befanden sich weitere Personen, wie sich später herausstellte.

Nachdem der Mann gedroht hatte, eine Schusswaffe oder Sprengmittel einzusetzen, ließ die Polizei Spezialkräfte, darunter auch Sprengstoffexperten, anrücken. In schwarzen Anzügen und Gesichtsmasken postierten sich die Männer mit Scharfschützengewehren und Zielfernrohren vor dem Haus. In einem günstigen Moment brachen Beamte die Tür auf, hinter der sich der Gesuchte befand, und überwältigten ihn, sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag. Ob sich alle vier Festgenommenen in einem Raum befanden und ob alle freiwillig dort waren, blieb zunächst unklar. Von einer Geiselnahme wollte die Polizei aber nicht sprechen. Zu einer Schießerei, wie von der Polizei befürchtet, kam es nicht.