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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Täter vergingen sich an weinendem Opfer

27.06.2019

Freiburg Am Anfang geht es kurz hoch her. Als nach langem Warten am Mittwoch die elf Angeklagten in den extra für den Prozess der Gruppenvergewaltigung umgebauten Saal des Freiburger Landgerichts geführt werden, schimpft einer der Männer lautstark auf Arabisch, verwahrt sich mit ausgestrecktem Mittelfinger und tief in die Stirn gezogener Schirmmütze gegen Fotografen, Justizbeamte und Zuschauer. Ein irritierender Auftritt angesichts der massiven Vorwürfe gegen die Männer.

Die Beschuldigten, überwiegend Flüchtlinge, sollen eine hilflose 18-Jährige vergewaltigt haben. Als der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin die Verhandlung eröffnet, ist es eineinhalb Stunden später, als eigentlich geplant. Und schon die ersten Stunden zeigen: Es wird ein zähes und aufwendiges Verfahren.

Den Männern – acht Syrer, zwei aus dem Irak und aus Algerien stammende Beschuldigte sowie ein Deutscher ohne Migrationshintergrund – werden abscheuliche Sexualverbrechen vorgeworfen. Mitte Oktober vergangenen Jahres sollen sie der jungen Frau, die zuvor Ecstasy von ihnen bekommen hatte, zusätzlich K.o.-Tropfen verabreicht und sie dann vergewaltigt haben. Erst einer. Dann die anderen, die der Hauptbeschuldigte zu den Taten angestiftet haben soll. Während die Frau hilflos und willenlos im Gebüsch vor einer Freiburger Diskothek lag, kam der Anklage zufolge einer nach dem anderen.

Keiner scherte sich nach Worten von Staatsanwalt Rainer Schmid darum, dass das Opfer erkennbar unter Drogen stand, deshalb wehrlos war und zwischenzeitlich sogar krampfte. Ihr Weinen und ihre schwachen Versuche, die Täter doch noch abzuhalten, änderten nichts an dem Geschehen.

Dass „man mit ihr ficken“ könne, sprach sich in der Disco rum, so die Anklage. Zweieinhalb Stunden soll es gedauert haben, bis die Männer von der Frau abließen. Zur Hilfe kam ihr keiner.

Einer schickte nach der Vergewaltigung eine „Liebesnachricht mit roten Herzchen an seine Freundin“, so Schmid. Als die 18-Jährige vor der Disco allmählich zu sich kam, soll ihr einer der Mittäter aufgeholfen haben. Bei ihm habe sie dann auch übernachtet.

Soweit und so schlimm und vor allem so unklar. Denn die Beweislage ist schwierig. Die Frau könne sich nicht klar an den Ablauf des Abends erinnern. Andere Zeugen gibt es nicht. DNA-Spuren von einigen, aber nicht allen der Angeklagten wurden am Tatort und an der Frau gefunden. Die Verabreichung von K.o.-Tropfen sei Spekulation, räumt Staatsanwalt Schmid ein. Denn die Tropfen lassen sich nur wenige Stunden nachweisen – danach nicht mehr.

Die 18-Jährige ist Nebenklägerin in dem Verfahren, das sich bis mindestens Dezember hinziehen wird. Sie erscheint vorerst nicht; ihre Verteidigerin äußert sich nicht. Dafür drei der elf Anwälte der Angeklagten, die eine Vorverurteilung und Stigmatisierung ihrer Mandanten anprangern.

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