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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Wetter-Experten verlassen Zugspitze

28.05.2018

Garmisch-Partenkirchen Norbert Stadler hat Urlaub genommen. Er will nicht dabei sein, wenn die Arbeit am 1. Juni eingestellt wird. Zumal er kurz zuvor Geburtstag hat. 60 wird er, und 40 Jahre hat er als Wetterbeobachter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit einer Handvoll Kollegen die Bergwetterwarte auf der Zugspitze betreut. Nach fast 120 Jahren zieht der DWD seine Beobachter an Deutschlands höchstem Berg ab.

„Ich bin nicht derjenige, der die letzte Beobachtung macht – das geht mir schon nah“, sagt er. Dabei ist die Station nach gewöhnlichen Kriterien nicht gerade ein Traumarbeitplatz: 16 Quadratmeter groß ist das Domizil mit Kochplatte und Klappbett in dem hölzernen Turm, der den 2962 Meter hohen Zugspitzgipfel noch um zwei Meter überragt.

Es ist nicht nur Deutschlands höchster Arbeitsplatz, sondern auch der kälteste, von Kühlhäusern mal abgesehen. Die Durchschnittstemperatur liegt bei minus 4,8 Grad – „ein Klima wie in Südgrönland“. Der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen wurde am 14. Februar 1940 gemessen: minus 35,6 Grad Celsius. Im Winter müssen die Beobachter nachts aufstehen: Schnee räumen.

Meteorologen erstellen die Wetterprognose, Wetterbeobachter tragen Daten zusammen: Wie viel hat es geregnet, wie viel geschneit, wie liegen Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windrichtung und -geschwindigkeit, wie lange scheint die Sonne, und wie sehen die Wolken aus? Alle halbe Stunde nahmen Stadler und seine Kollegen bisher die Wetterlage in Augenschein. Die Ergebnisse dieser „Augenbeobachtung“ gaben sie an die DWD-Zentrale nach Offenbach.

Schritt für Schritt haben Geräte bereits viele Aufgaben übernommen. Thermometer und Luftdruckmesser leiten ihre Werte längst digital weiter; die Sonnenscheindauer wird digital erfasst. „Wir automatisieren; das geht Monat für Monat weiter“, sagt DWD-Sprecher Uwe Kirsche. Der Mensch sei nicht ganz ersetzbar. Aber oft gelte: „Die Technik kann viel mehr und schneller Daten erheben.“

Bis 2021 sollen alle 182 sogenannten hauptamtlichen Wetterstationen automatisiert laufen. 155 sind es schon, darunter die am Feldberg im Schwarzwald, mit 1486 Metern auf halber Zugspitz-Höhe. Vor der Automatisierung stehen die Stationen an Fichtelberg (1215 Meter) und Brocken (1141 Meter), sie sind Anfang 2019 und 2020 dran.

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