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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Geldautomat auf Schienen – Zug in Dinslaken entgleist

13.01.2017

Dinslaken „Explosionsgefahr“: Die Gefahrgut-Schilder an den Kesselwagen zeigen, was alles hätte passieren können. Große Mengen Flüssiggas sind in den Tanks des Güterzugs, der am Donnerstag im Bahnhof von Dinslaken am nordwestlichen Rand des Ruhrgebiets von Gangstern zum Entgleisen gebracht wird. Es ist 2.36 Uhr am frühen Donnerstagmorgen, als es im Bahnhof mitten in Dinslaken knallt. Der Güterzug hat einen Geldautomaten gerammt, den Kriminelle auf die Schienen gelegt haben.

„Was passiert wäre, wenn einer der Kesselwagen leckgeschlagen wäre, darf man sich gar nicht ausmalen“, sagt Polizeisprecher Uwe Eßelborn. Tatsächlich springt der gepanzerte Automat auf und Geldscheine fliegen umher, aber auch die Lok springt aus den Gleisen.

Der Lokführer und seine beiden Begleiter kommen mit dem Schrecken und leichten Prellungen davon, berichtet ein Sprecher der Schweizer Bundesbahn. Der Lokführer versichert bei seiner Vernehmung, dass sich die Unbekannten nicht an die Geldscheine herangetraut hätten. Er habe bis zum Eintreffen der ersten Helfer niemanden gesehen, sagt ein Sprecher der Bundespolizei, die bald darauf den Tatort abgesichert hat und die Scheine einsammelt.

Die Zugstrecke zwischen dem Ruhrgebiet und Wesel am Niederrhein bleibt für fünfeinhalb Stunden gesperrt. Tausende Reisende sind betroffen, 44 Passagierzüge von vier Regionallinien sind betroffen. Auch drei Züge des Fernverkehrs von und in die Niederlande müssen umgeleitet werden und fahren Verspätungen ein.

Die Lok der Schweizerischen Bundesbahn, die den Güterzug zog, ist nicht mehr fahrtüchtig und muss abgeschleppt werden. Ein Rad ist abgerissen, der Schaden liege im sechsstelligen Bereich, heißt es bei Bahn und Bundespolizei. Auch die Bahnstrecke ist in Mitleidenschaft gezogen, auch hier geht der Schaden in die Hunderttausende.

Die Gangster, von denen am Donnerstag zunächst jede Spur fehlt, hatten den Geldautomaten im Bahnhofsgebäude aus seiner Verankerung gerissen. Wie sie dies vollbracht haben, ist für die Ermittler zunächst unklar.

Dann haben sie das nach Polizeiangaben 500 Kilogramm schwere Gerät zu den Gleisen geschleppt - wofür wohl Hilfsmittel vonnöten waren. Die Kollision schleudert Trümmer sogar auf den Bahnsteig, der zum Zeitpunkt der Tat aber verwaist ist.

Nun suchen die Ermittler Zeugen, die zu nachtschlafender Zeit Verdächtiges am Bahnhof beobachtet haben. Über eine Videoüberwachung verfüge dieser nicht, sagt der Polizeisprecher. Erst um 8.05 Uhr kann die Strecke wieder freigegeben werden, das betroffene Gleis im Bahnhof bleibt aber gesperrt.

Als es wieder hell ist, sichern Kriminalisten die Spuren und sammeln die Trümmer ein. Erst kürzlich hatte Landeskriminalamtschef Uwe Jacob davor gewarnt, dass die Automatenknacker nicht mehr nur zu Gas greifen, um die Geräte in die Luft zu jagen, sondern in den benachbarten Niederlanden inzwischen auch zu Sprengstoff. Nun weiß man, dass sie auch vor schweren Eingriffen in den Bahnverkehr nicht zurückschrecken.

Die Zahl der Geldautomaten-Sprengungen hatte sich im vergangenen Jahr allein in Nordrhein-Westfalen von 67 im Vorjahr auf 136 Fälle mehr als verdoppelt. Hinter den Sprengungen stecken den Ermittlungen zufolge oft Banden aus den Niederlanden, die mit PS-starken Autos, bevorzugt der Marke Audi türmen. Aber es tummeln sich nach Angaben der Ermittler inzwischen auch reichlich Trittbrettfahrer auf dem Gebiet. Sogar mit Treckern wurde den Automaten schon zugesetzt. Die Zugentgleisung sei zweifellos eine neue Qualität.

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