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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Wetter: Gewitter stoppen Hitzewelle

06.07.2015

Berlin Am bislang heißesten Wochenende des Jahres erlebten Strände und Seen bei fast 40 Grad einen gewaltigen Ansturm. Die Hitze hatte aber auch gefährliche Folgen. So kollabierten viele Erntearbeiter auf einem Feld. Waldgebiete und Wiesen brannten. Mindestens zwölf Menschen starben bei Badeunfällen.

Auf die Hitze folgten in einigen Regionen Unwetter. Zwei Menschen wurden am Sonntag durch Blitze verletzt. Bäume stürzten auf Autos, Starkregen flutete Keller und Straßen.

Doch Hoch „Annelie“ bescherte vielen Menschen aber auch ein perfektes Wochenende. Freibäder, Eisdielen und Biergärten waren ebenso heiß begehrt wie Brunnen und Planschbecken. Rimini-Feeling gab es an den Küsten: Die Ostsee sei „ihrem Ruf als besseres Mittelmeer“ an diesem Wochenende gerecht geworden, sagte ein Sprecher des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Die Strände seien „pickepackevoll“ gewesen.

Der Temperaturrekord wurde am Wochenende geknackt. Am heißesten war es am Sonntag im bayerischen Kitzingen mit 40,3 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteilte. Die bisher höchste, jemals gemessene Temperatur in Deutschland betrug zuvor 40,2 Grad. An diesem Montag soll eine Kaltfront für etwas Abkühlung sorgen, bevor am Dienstag die Temperaturen wieder über 30 Grad klettern. Der DWD rechnete mit schweren Unwettern in Westdeutschland. Auch Tornados seien möglich.

Die Tropen-Hitze brachte in einigen Regionen bereits Unwetter. In Hattingen am Rande des Ruhrgebiets wurden zwei Menschen vom Blitz getroffen und schwer verletzt. In Thüringen kippte eine Windböe auf der Autobahn 4 nahe Mellingen einen Lastwagen um. Das Führerhaus hing über einer Brücke und drohte in die Tiefe zu stürzen. Der Fahrer wurde gerettet.

Wegen Verdachts auf Hitzekollaps wurden mindestens sechs Teilnehmer des Deutschen Chorfestivals in Trier ins Krankenhaus gebracht. In Schwagstorf bei Osnabrück kollabierten 25 Erntehelfer auf einem Erdbeerfeld. In Berlin musste am Wochenende die Kuppel des Reichstagsgebäudes gesperrt werden – einige Menschen hatten bei 44 Grad Innentemperatur Kreislaufprobleme bekommen.

Die Polizei bekam auch Notrufe, weil Eltern ihre Kinder beim Einkauf in geparkten Autos zurückgelassen hatten. Auch Hunde mussten aus Fahrzeugen befreit werden. „Das ist unfassbar“, sagte ein Beamter in Thüringen.

Die hohen Temperaturen ließen vielerorts die Ozonbelastung steigen. Erhöhte Konzentrationen können die Atemwege reizen. Hitzeschäden bremsten den Verkehr auf einigen Autobahnen und Bahnstrecken.

Ein Blitz legte die Signalanlagen im Essener Hauptbahnhof lahm. Viele Brandmelder spielten wegen der hohen Temperaturen verrückt und lösten falschen Alarm aus. Ein Hitze-Brand verursachte einen stundenlangen Ausfall der Sendungen des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte.

Sorgen bereitet die Hitzewelle auch vielen Winzern. Neben der gefährlichen Trockenheit droht den Trauben Sonnenbrand. „Man kann nur hoffen, dass es in Bälde Niederschläge gibt und dann nicht Unwetter und Hagel“, sagte Peter Wohlfarth vom Badischen Weinbauverband.

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