Giglio - Lange kann Caterina Pellegrini ihre Tränen nicht zurückhalten. Als die Schiffssirenen ertönen und im Hafen Jubel ausbricht, beginnt die 55-Jährige zu schluchzen. „Ich bin sehr traurig und bewegt, das ist ein schmerzhafter Abschied“, gibt die Bewohnerin der Insel Giglio zu, als sie die „Costa Concordia“ nach zweieinhalb Jahren am Horizont verschwinden sieht. „Wir wussten, dass dieser Tag kommt, aber es tut weh.“ In die Erleichterung darüber, das Wrack vor der Insel nicht mehr sehen zu müssen, mischen sich bei den Bewohnern Zukunftssorgen und die schmerzhafte Erinnerung an die Toten der Havarie.
Das Abschleppen der „Costa Concordia“ ist „vielleicht der wichtigste Tag in der Geschichte der Insel“, sagt Bürgermeister Sergio Ortelli. Dutzende Bewohner und Touristen haben sich im Hafen versammelt, um die spektakuläre Aktion zu verfolgen. Als sich das Wrack mit seinen Begleitschiffen immer weiter von der Insel entfernt, jubeln und applaudieren die Menschen.
Aber auch die Erinnerung an die Tragik der Unglücksnacht im Januar 2012 ist auf der Insel an diesem Tag allgegenwärtig. „Ich erinnere mich noch, als ob es gestern wäre“, erzählt Fischer Alvino Bartoli. Auch Elio Vincenzi, der Ehemann eines Opfers, will der 32 Toten gedenken. „Ich musste herkommen, als ein letzter Abschiedsgruß“, sagt er. „Wir erinnern an die Trauer um die Opfer. Das ist ein Schmerz, der niemals nachlassen wird.“
Nicht weit entfernt nutzen hingegen viele Touristen die Gelegenheit an der Kaimauer für ein letztes Foto. „Das interessiert mich sehr, wir wollten unbedingt die Abfahrt sehen“, sagt Besucherin Mireille aus Basel. Vor allem neugierige Tagestouristen kamen nach dem Unglück nach Giglio, viele Stammgäste blieben fern.
Groß sind deshalb die Hoffnungen der Gigliesi, dass die Stammgäste nach dem Abtransport des Wracks zurückkehren. „Wir sind am Ausgang des Tunnels, aber wir haben einen weiten Weg vor uns“, bilanziert Bürgermeister Ortelli. Noch mehr als ein Jahr werden die Arbeiten an der Insel weitergehen, Plattformen und Bergungsgeräte müssen entfernt werden, die Umwelt soll wieder aufgebaut, kontrolliert und geschützt werden.
Auch deshalb ist den Bewohnern klar, dass der Weg zurück zum Alltag lang und schwierig wird.
