Lyon - Der Altmeister der französischen Küche ist müde. Paul Bocuse äußert sich nicht mehr öffentlich, kommt auch nicht mehr jeden Tag an die Tische seiner Gäste in sein legendäres Drei-Sterne-Restaurant. „Er ist nicht sehr in Form“, ist aus seinem Umfeld zu hören. Seine Marke aber ist topfit, er gilt nach wie vor als Aushängeschild der Kochkunst à la française. Am Donnerstag wird der Gourmet-Verführer und erfolgreiche Selbstvermarkter 90 Jahre alt.

„Paul Bocuse ist in den letzten 50 Jahren sicherlich in der Welt das Aushängeschild für Küchenkultur, für Hochküche und für Kulturprägung in der Küche“, sagt der deutsche Sterne-Koch Frank Rosin. Bocuse gilt als „Papst der französischen Küche“, der Restaurantführer „Gault&Millau“ wählte ihn zum „Koch des Jahrhunderts“, sein Stammrestaurant in seinem Heimatort Collonges-au-Mont-d“Or bei Lyon hat seit 1965 durchgängig drei Michelin-Sterne – Rekord.

„Monsieur Paul“, wie er von seinen Mitarbeitern ehrerbietig genannt wird, gilt als ein Vertreter der „Nouvelle Cuisine“, eine Bewegung junger Köche, die die französische Küche entstaubten. Einfache Zubereitung, frische Zutaten, Regionalität – so die Grundlinien. „Ich mag identifizierbare Gerichte mit Knochen und Gräten“, sagte der Spitzenkoch einmal.

Doch die Bocuse-Revolution lag noch woanders. „Bocuse hat den Mut gehabt, aus seiner Küche zu kommen“, erzählte Jean-François Mesplède, früherer Chef des Michelin-Restaurantführers. „Er hat sich eine weiße Jacke mit seinem gestickten Namen machen lassen, mit einer hohen Kochmütze und einem Trikolore-Kragen, um seinen Titel des „Besten Handwerkers Frankreichs“ vorzuführen.“

So wurde er zur Marke. Kochbücher, Champagner und Marmeladen werden mit seiner schwungvollen Unterschrift auf dem Etikett verkauft, ein Wettbewerb trägt seinen Namen. Zu seinem Imperium gehören mehr als 20 Restaurants