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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Rätsel um tote Hermes-Mitarbeiter

17.10.2019

Haldensleben Nach dem Tod zweier Mitarbeiter des Paketdienstleisters Hermes in Haldensleben ist die Polizei auf der Suche nach der Ursache und möglichen Zusammenhängen. Bislang werde nicht wegen Totschlags oder Vergiftung ermittelt, sagte Polizeisprecher Frank Küssner am Mittwoch. Man suche nach der Todesursache.

Die Obduktionen, die Aufklärung bringen sollen, wurden zunächst zurückgestellt. Spezialisten der Berliner Polizei für chemische und toxische Stoffe waren am Nachmittag gemeinsam mit der Tatortgruppe des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt im Einsatz, um das Risiko für medizinisches Personal und Ermittler zu minimieren.

Unterdessen stand die Arbeit in dem Logistikzentrum seit Dienstagabend still und konnte nicht wie geplant am Nachmittag wieder aufgenommen werden. Der Betrieb solle frühestens zur Nachtschicht ab 22 Uhr wieder anlaufen.

Rund 300 000 Sendungen blieben laut Hermes-Geschäftsführer Andreas Stumpf liegen. Es herrsche große Betroffenheit in der Belegschaft des Logistikzentrums. „Unsere Aufgabe wird es jetzt sein, die Mitarbeiter aufzuklären, zu informieren, was letztendlich hier tatsächlich vorgefallen ist, so dass sie wieder an den Arbeitsplatz gehen können“, sagte Stumpf.

Auf dem Gelände des Versandzentrums war in der Nacht zum Dienstag zunächst ein Toter entdeckt worden. Der 58-Jährige soll zusammengebrochen und dort gestorben sein. Laut Stumpf handelt es sich um einen Mitarbeiter aus der Betriebstechnik. Am Nachmittag wurde dann in Haldensleben in einem Transportfahrzeug von Hermes ein weiterer Mitarbeiter tot gefunden. Der 45-Jährige saß leblos auf dem Fahrersitz. Den Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen habe die Polizei angestoßen, sagte der Geschäftsführer. Er selbst habe zunächst keine Verbindung hergestellt.

Zunächst war zudem von einem weiteren schwer verletzten Mitarbeiter die Rede gewesen. Dazu sagte Stumpf: „Der ist überhaupt nicht schwer verletzt. Der hatte einen epileptischen Anfall. Der Kollege hat eine Vorgeschichte. Das war nicht das erste Mal, dass er sowas hatte.“ Dem Mitarbeiter gehe es wieder gut.

Die ungewöhnliche Häufung der Unglücksfälle am Dienstag führte bis in den frühen Mittwochmorgen hinein zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. 120 Kräfte waren im Einsatz. Der Betrieb im Versandzentrum Haldensleben mit 3000 Mitarbeitern wurde in der Nacht zu Mittwoch vorsichtshalber vorübergehend eingestellt. Dem Polizeisprecher zufolge wurde die Spätschicht früher entlassen, die Nachtschicht habe nicht begonnen. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, weil zwei völlig gesund wirkende Menschen innerhalb kürzester Zeit gestorben seien.

Zwischenzeitlich schuf der Fund geringster Mengen eines Stoffes an einem Paket am Mittwoch neue Aufregung. Laut Polizei könnte er in großen Mengen gefährlich sein. Die Feuerwehr öffnete deshalb alle Pakete in dem Transporter, in dem ein Mitarbeiter vor seinem Tod am Dienstag Pakete ausgeliefert hatte. Kurze Zeit später gab es Entwarnung. „Das sind ganz normale Zustellpakete gewesen mit handelsüblichem Inhalt“, betonte der Polizeisprecher. Über die Menge des gefundenen Stoffes sagte er: „Die Dosis, die man braucht, um zu sterben, wurde nicht erreicht.“

Um aber sicherzugehen, dass bei einer Obduktion keine Gefahr für medizinisches Personal besteht, wurden die Polizeiexperten für chemische und toxische Stoffe um Unterstützung gebeten.

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