HAMBURG/M - Wahabi Nouri aus Hamburg ist der Koch des Jahres 2010 des Gastronomieführers „Gault Millau“. Der 39-jährige Deutsch-Marokkaner wurde am Montag in München für ein „wegweisendes Konzept gegen den Gästeschwund in der Wirtschaftskrise“ ausgezeichnet: Seine kreative Aromaküche komme ohne modische Edelprodukte und teuren Luxus aus. Nouris Kochkunst verbinde die klassische, eher französische Spitzenküche mit einer köstlichen orientalischen Note.
Der in Casablanca geborene und in Deutschland aufgewachsene Nouri erhielt für sein Restaurant „Piment“ 18 von 20 Punkten. Er verzichte auf die große kulinarische Oper, erklärt der „Gault Millau“, und biete eine ausgeklügelte schöpferische Küche, die „aus dem vermeintlich Einfachen das Allerbeste macht“.
Die Riege der besten Köche Deutschlands wird im „Gault Millau“ weiter mit je 19,5 Punkten von Harald Wohlfahrt (Baiersbronn), Helmut Thieltges (Dreis in der Südeifel) und Joachim Wissler (Bergisch Gladbach) angeführt. In den Rang der acht Häuser mit 19 Punkten (etwa dasselbe wie drei „Michelin“- Sterne) kletterten Christian Jürgens („Gourmetrestaurant Überfahrt“ in Rottach-Egern) und Christian Lohse („Fischers Fritz“ in Berlin).
Ausgerechnet der Koch des Jahres 2009, Nils Henkel aus Bergisch Gladbach, wurde wegen „zu viel Chemie im Essen“ von 19 auf 18 Punkte abgewertet. Der Gourmetführer bestrafte ihn und rund zwei Dutzend weitere Köche mit Punktabzug, weil sie sogenannten Heringskaviar servieren, ein aus geräuchertem Hering, Tintenfisch-Tinte und Geliermittel hergestelltes Imitat. „Gault Millau“-Chefredakteur Manfred Kohnke sieht die Verwendung dieses Produktes als Sittenverfall an.
Stark von 17 auf 15 Punkte herabgestuft wurde das Restaurant von Johann Lafer in Stromberg bei Bad Kreuznach. Die Tester warnen ihn vor dem Beispiel seines ulkigen Fernsehkoch-Kollegen Horst Lichter: „Bleib lecker, Lafer, werd’ nicht Lichter!“, hieß es. Zum Aufsteiger des Jahres wurde Jakob Stüttgen („Terrine“ in München, 17 Punkte) gekürt.
