Hamburg - Statt zu ihren Urlaubszielen zu starten, strandeten am Sonntag tausende Passagiere am Hamburger Flughafen. Nach einem Stromausfall am Morgen hatte der Airport seinen Betrieb für den gesamten Sonntag eingestellt. Dazu sehe man sich gezwungen, teilte das Unternehmen auf Twitter mit. „Es ist nicht gelungen, den Fehler zu beheben.“ Ab 10 Uhr ging nichts mehr. Da Terminals aus Sicherheitsgründen geräumt werden mussten, harrten die Reisenden vorm Gebäude oder in der lichtdurchfluteten Abflughalle aus – auf und neben ihrem Gepäck.
Über Stunden war Geduld gefragt, die Verärgerung nahm bei manchem Wartenden zu: „Ich begreife nicht, warum alle Leute raus müssen, um dann später wieder durch die Kontrolle zu gehen“, sagte ein Passagier mit Reiseziel Malta. Jenny Webber wollte eigentlich nach Kopenhagen fliegen. Weil ihr Gepäck bereits eingecheckt war, musste auch sie warten. „Sonst hätte ich jetzt den Zug genommen“, meinte sie.
Die ankommenden Maschinen mussten sich statt Hamburg eine Alternative suchen. „Die meisten Flugzeuge fliegen jetzt Hannover oder Bremen statt Hamburg an“, sagte Anja Naumann von der Deutschen Flugsicherung dem „Hamburger Abendblatt“. Ein Mitarbeiter am Bremer Flughafen bestätigte dies „Radio Bremen“: „Wir haben einen Hochfall.“
Den Stromausfall bemerkten die am Vormittag auf ihren Abflug wartenden Passagiere, als es im Terminal 2 dunkel wurde. Zuvor waren Brandschutztüren zugegangen, in Gängen und Geschäften fiel das Licht aus, wie ein Augenzeuge berichtete. Vor den Schaltern bildeten sich lange Schlangen. Als die Luft drinnen schlechter wurde, verteilten Flughafen-Mitarbeiter Wasserflaschen, dann kam die Durchsage: „Bitte verlassen Sie das Terminal.“ Zunächst ging es ins benachbarte Terminal 1, bevor es ebenfalls infolge des Stromausfalls bald danach geräumt werden musste.
Versuche, telefonisch Auskünfte von den Fluggesellschaften zu erhalten, endeten für manche zunächst in der Warteschleife. Andere wurden vertröstet, dass der gebuchte Flug noch nicht abgesagt sei.
Prinzip Hoffnung und keine Anzeichen von Chaos: Geduldig, in gespannter Erwartung, harrten die meisten aus, wie ein Augenzeuge schilderte. Und immer wieder ging der Blick zu den Anzeigetafeln, doch die Angaben „verspätet“ oder „cancelled“ machten wenig Hoffnung. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung und informieren, sobald es Neuigkeiten gibt!“, twitterte der Flughafen.
Besonderes Pech hatte ein Ehepaar aus Osnabrück. Als es früh morgens am Flughafen ankamen, war sein Morgenflug nach Venedig um 7.30 Uhr gestrichen – noch bevor der Strom ausfiel. Das Paar buchte spontan am Flughafen für 520 Euro mit einer anderen Airline einen Ersatzflug nach „Bella Italia“ und musste dann hören, dass dieser Flug ebenfalls ausfiel – aufgrund des Stromausfalls.
Ein Einzelfall ist dies nicht: Kurz vor Weihnachten 2017 war der Flughafen von Atlanta im US-Bundesstaat Georgia betroffen. Nichts ging mehr am passagierreichsten Flughafen der Welt, viele Fluggäste saßen dort fest. Im September davor sorgte ein Stromausfall am Flughafen von Sydney für Chaos, hunderte von Passagieren waren betroffen. Im Juni strapazierte ein Stromausfall am Brüsseler Flughafen die Nerven der Fluggäste.
