HAMBURG - Während die Produktion des Impfstoffes gegen die Schweingerippe A/H1N1 bereits läuft, warnen einige Arzneiexperten vor möglichen Nebenwirkungen. „Was wir hier erleben, ist ein Großversuch an der deutschen Bevölkerung“, sagte der Herausgeber des „Arznei-Telegramms“, Wolfgang Becker-Brüser, dem Magazin „Spiegel“. Dem Blatt zufolge würden für den neuen Impfstoff neuartige Herstellungsverfahren und neue, den Wirkstoff verstärkende Zusatzstoffe eingesetzt.
Die bisherigen Sicherheitstests der Musterimpfstoffe seien nur darauf ausgelegt, Nebenwirkungen zu erkennen, die in mehr als einem Prozent der Fälle auftreten. Dies bedeute bei 25 Millionen geimpften Deutschen „theoretisch“, dass fast 250 000 Menschen eine „schlimme Impfreaktion“ erleiden könnten, ohne dass diese in den vorherigen Tests aufgefallen wären.
Eine flächendeckende Impfung gegen die Schweinegrippe wird nach Ansicht von Prof. Tino Schwarz, Facharzt für Medizinische Mikrobiologe und Infektionsepidemiologie am Juliusspital in Würzburg, frühestens Mitte November starten können.
Unterdessen hat das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit auf der Ostseeinsel Riems Landwirte zu erhöhter Hygiene in der Schweinehaltung aufgerufen. Es wachse die Gefahr, dass sich das Virus bei den Tieren vermehren und sich mit anderen Influenza-Viren mischen könne, berichtete der Sender NDR 1. Dabei könne eine aggressivere Virus-Variante entstehen.
Ob der Schulunterricht in Nordrhein-Westfalen wegen der Schweinegrippe nach den Sommerferien am 17. August verspätet startet, wird sich erst kurzfristig entscheiden. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte, dass die Pandemie-Expertenkommission ihr Votum erst in der Woche vor dem Unterrichtsbeginn abgeben werde.
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