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NWZonline.de Nachrichten Panorama

„germany’s Next Topmodel“ Auf Prosieben: Heidi lässt wieder laufen

08.02.2017

München Von Kassel an die Côte d’Azur - treffender lässt sich der Traum vieler Kandidatinnen wohl kaum zusammenfassen. Auf ProSieben startet an diesem Donnerstag (9. Februar, 20.15 Uhr) wieder Heidi Klums „Germany's Next Topmodel“. Die inzwischen zwölfte Staffel beginnt für 50 Kandidatinnen relativ unglamourös am Flughafen in Nordhessen. Doch nicht für alle von ihnen geht es noch in der ersten Folge raus in die weite Welt - oder zumindest nach Marseille, wo ein Kreuzfahrtschiff auf diejenigen wartet, die es in Runde zwei schaffen.

Die große Hürde: natürlich Heidi Klum. Während ihre beiden Handlanger Thomas Hayo und Michael Michalsky ihr jeweiliges Kandidaten-Team auf Touren durch Deutschland schon zusammengestellt haben, bekommt Heidi nur noch den Weizen, nicht mehr die Spreu zu sehen - in einem „Impress Heidi-Walk“ auf dem laufenden Gepäckband, wie ProSieben in München mitteilt. „Beeindruckt Heidi“ lautet das Ziel.

„Wir wissen nur, dass wir in Abendkleidern vor Heidi, Thomas und Michael laufen“, sagt eine Kandidatin in einem der ersten Trailer zur neuen Staffel. Ganz so stimmt das freilich nicht. Schließlich funktioniert die Sendung von Staffel eins an nach dem gleichen Konzept mit stets wiederkehrenden Motiven: Von der Angst vorm Catwalk und Heimweh über die Modelvilla und das Umstyling bis hin zu Tränen und Zickenkrieg. Auch wenn immer wieder grundlegende Neuigkeiten angekündigt wurden und das Kreuzfahrtschiff in diesem Jahr tatsächlich neu ist - die Geschichte dürfte sich bei „GNTM“ einmal mehr wiederholen.

Im vergangenen Jahr war es ProSieben dennoch gelungen, den jahrelangen Abwärts-Trend der Quoten zu stoppen. Der Sender erreichte mit der elften Staffel laut dem Statistik-Portal „statista.de“ mit im Schnitt 2,73 Millionen Zuschauern soviel wie seit Jahren nicht mehr. Von den Höhenflügen mit durchschnittlich 3,83 Millionen Zuschauern im Jahr 2009 dürfte die Sendung sich allerdings dauerhaft verabschieden müssen.

Längst geht es nicht mehr darum, welches von Heidis „Meedchen“ sich zum Schluss symbolisch das Krönchen aufsetzen und Deutschlands neues Topmodel nennen darf. Wer kennt denn noch eine der Gewinnerinnen außer Lena Gercke? Die Sendung ist - ähnlich wie der RTL-„Bachelor“ und „Deutschland sucht den Superstar“ - inzwischen auch so etwas geworden wie ein großes Casting für andere Formate à la Dschungelcamp. Sicher gibt es auch Ex-Kandidatinnen, die ihr Geld tatsächlich als Models verdienen. Die größeren Schlagzeilen machten aber diejenigen, die eher nicht auf den Laufstegen der Welt unterwegs sind: Fiona Erdmann, Sarah Knappik, Micaela Schäfer, Nathalie Volk und Gina-Lisa Lohfink setzten ihre Karrieren für RTL im australischen Urwald fort.

Die Geschichte, die sich wiederholt, ist auch eine von erbitterten Vorwürfen. Die Einwände gegen Klums Show reichen seit Jahren von Sexismus bis zu einem verzerrten Bild der Modewelt. Vor allem aber sind die Rufe nie verstummt, das Format könne bei Mädchen und jungen Frauen Essstörungen wie Bulimie und Magersucht fördern. 2015 veröffentlichten das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), das dem Bayerischen Rundfunk unterstellt ist, und der Bundesfachverband Essstörungen eine Studie, die einen Zusammenhang herstellt zwischen der Sendung und Essstörungen. ProSieben verwahrt sich dagegen.

Medienpädagogen warnen dennoch seit Jahren vor dem Fernsehformat. Die Sendung verbreite ein „Frauenbild von vorgestern“, heißt es einige Wochen vor dem Start beispielsweise von „Flimmo“, einem Portal für Medienerziehung aus München. „Das Ideal vom makellosen Körper und von bedingungsloser Anpassung ist für junge Zuschauer doppelt problematisch: Statt selbstbewusst die eigene Individualität samt körperlicher Eigenheiten zu akzeptieren, wird ein mediales Schönheitsideal zur Messlatte.“ ProSieben hat sich durch solche Kritik nicht von der zwölften Staffel abhalten lassen.

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