Ho-Chi-Minh-Stadt/Hannover - Motorrad fahren, das ist eigentlich nicht Trong Hieus Stärke. „Vor allem nicht mit einem Mädchen hinten drauf und dann noch auf einer kurvigen Straße“, sagt der Nachwuchssänger und lacht. Doch das gehört zum neuen Ruhm des 23-Jährigen aus Hannover. Als Werbegesicht eines großen Motorradherstellers lacht er demnächst in Vietnam von meterhohen Werbeplakaten.

Trong Hieu lacht viel, er genießt sein Leben gerade in vollen Zügen. Im August hat er in der Heimat seiner Eltern die Fernsehshow „Vietnam Idol“ gewonnen, so etwas wie „Deutschland sucht den Superstar“. Seitdem hat er Hits unter den besten zehn gelandet, und ist von einem Radiosender als „bester Newcomer“ nominiert worden. „Sie nennen mich Hot boy from Germany“ – sagt er verschmitzt, als sei ihm das auf Deutsch zu peinlich: der heiße Junge aus Deutschland.

„Soooo süß!“ schwärmt die 16-jährige Pham Quynh Anh aus Hanoi: „Er ist so anders als die anderen.“ Die Schülerin ist hin und weg. Nguyen Thu Trang ist 25 und schwärmt ebenfalls von dem Jungstar. „Er ist ein Phänomen“, sagt sie. „Er kann jede Bühne erobern, mit seiner Stimme und dem Tanzen.“

Die Stimme, da steigt Trong Hieu gern samtig, ja, schmalzig in seine Songs ein, nachdenklich auf dem Barhocker sitzend zum Beispiel, oder neben dem Klavier. Irgendwann aber legt er los: Tanzeinlagen mit dem Ballett gehören dazu, Sprünge, heiße Hüftschwünge, alles in bester Justin-Bieber-Manier. Spagat auf der Bühne geht auch, wie Hieu schon gezeigt hat, und er zeigt gern seine gut geformten Muskeln.

„Er tanzt wie ein Ausländer und redet wie ein Vietnamese“, sagt Pham Quynh Anh. Dass ist Musik in Hieus Ohren. „Ich bin ein guter Mix, ich versuche das Beste aus beiden Kulturen mitzunehmen“, sagt er. „Wir Deutsche sind direkt, gut organisiert und haben Ehrgeiz. Die Vietnamesen sind gut drauf und lachen viel.“

Trong wuchs im bayerischen Bad Kissingen auf und machte dort sein Abitur. Dann zog es ihn nach Hannover, um sein Hobby – das Singen und Tanzen – zum Beruf zu machen.

Von seinem Vater hat er das Talent nicht, wie Nguyen Chi Trung (62) freimütig zugibt. „Ich habe Fußball gespielt, mit Musik hatte unsere Familie nichts im Sinn“, sagt er. Er zog mit seiner Familie 1991 nach Deutschland, ein Jahr, bevor Hieu geboren wurde. Klar habe sein Sohn Talent, sagt er. „Aber der Erfolg kommt von seiner harten Arbeit.“ Die Familie war bei den „Vietnam Idol“-Auftritten stets im Publikum und fieberte mit.

Hieu reist hin und her zwischen den Welten, ist aber erstmal überwiegend in Vietnam. „Reich werden kann man hier durch den Verkauf von Singles nicht, hier gibt es kaum Copyright-Schutz“, sagt er. Alles erscheint auf dem Schwarzmarkt sofort als Raubkopie. Die Bekanntheit durch den Erfolg lasse sich aber gut vermarkten. Siehe Motorrad-Reklame. Hieu sei auch das neue Gesicht eines großen Kosmetik-Fabrikanten, sagt sein Manager Trinh Phuong Uyen. „Er kommt manchmal rüber wie ein begeistertes Kind, das gefällt den Mädels“, sagt er. „Er wird die Welt erobern.“ Hieu hätte nichts dagegen.

Neben den Auftritten in Vietnam bastelt er an seiner deutschen Karriere. Sein Gewinnersong ist inzwischen auch auf Deutsch erschienen („Wie ich bin“). Textkostprobe: „In meinem Herzen brennt ein helles Feuer. Jetzt ist es Zeit, dass mein Herz laut singt.“ Auch die Politik hat ihn entdeckt. Beim Besuch des vietnamesischen Staatspräsidenten durfte Hieu am Staatsbankett mit Bundespräsident Joachim Gauck teilnehmen. „Der Bundespräsident ist sehr sympathisch“, sagt er. „Es ist für mich kein Problem, der Vorzeigevietnamese zu sein.“

Was er sich von der Zukunft erhofft? „Vietnam in der Welt repräsentieren, Deutschland beim Eurovision Song Contest – das wäre mein Traum.“