HILDESHEIM - Prinz Ernst August lächelt. Höflich wirkt er, gelassen, sein Anwalt wispert mit ihm auf Englisch. Zehn Minuten zu früh ist der Chef des ältesten europäischen Adelshauses am Montag durch einen Nebeneingang im Gerichtssaal in Hildesheim erschienen. Ein Absperrband trennt die Bank des Angeklagten vom Medientross, vor ihm rangeln die Fotografen um den besten Platz, zwei Leibwächter des Prinzen gucken grimmig. Ernst August steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht – und zwar aus freien Stücken.

Der Prozess wegen einer Attacke auf den Diskothekenbesitzer Josef Brunlehner vor neun Jahren in Kenia wird auf Betreiben des Adligen aufgerollt. Strittig ist, wie schwer Brunlehners Verletzungen waren und ob der Prinz beim Angriff einen Schlagring in der Hand hatte. Zum ersten Mal ist der Prinz selber bei einem Prozess gegen ihn anwesend.

Der 55 Jahre alte Ehemann von Prinzessin Caroline von Monaco hofft, dass neue Zeugenaussagen ihn entlasten. „Erstrebt wird eine mildere Strafe“, sagte sein Anwalt Hans Wolfgang Euler zu Prozessbeginn. 2004 war der Adlige vom Landgericht Hannover wegen des Vorfalls zu 445 000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht hatte sich darauf eingelassen, das Verfahren wieder aufzurollen, weil neue Zeugenaussagen aufgetaucht sind. So soll das Opfer seine Verletzungen teilweise nur simuliert haben.

Der Prinz äußerte sich am Montag nicht, sein Anwalt verlas aber eine 17-seitige Erklärung in seinem Namen.

Das Opfer, der Diskothekenbesitzer Josef Brunlehner, zeigte sich überzeugt, dass die Verurteilung gegen Ernst August Bestand haben wird.

Der Richter machte zu Beginn klar: „Diesen Vorfall nach über neun Jahren aufzuklären, ist eine sehr, sehr schwierige Aufgabe.“ Die Darstellungen beider Parteien lägen weit auseinander.

Dann warb der Richter um eine Verfahrensbeschleunigung und bot eine Einstellung des Verfahrens gegen eine erhebliche Geldbuße an. Der Anwalt des Prinzen zeigte aber kein Entgegenkommen.

Für den Prozess sind zehn Verhandlungstage angesetzt, auch Prinzessin Caroline könnte als Zeugin vernommen werden. Am Montag war Ernst Augusts Auftritt vor Gericht nach zwei Stunden beendet. Der Prinz muss nicht mehr erscheinen.