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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Teilnahme Am Eurovision Song Contest: Hitzige Diskussion um Xavier Naidoo

21.11.2015

Bochum /Berlin /Mannheim Gegen die Grand-Prix-Teilnahme des umstrittenen Sängers Xavier Naidoo (44) regt sich weiterhin heftiger Widerstand. Inzwischen laufen im Internet mehrere Petitionen gegen die Pläne der ARD, den Sänger konkurrenzlos für den Eurovision Song Contest 2016 antreten zu lassen. Die Initiative „Keine ESC 2016-Teilnahme für Xavier Naidoo“ hatte bis zum Freitagmittag rund 13 000 Unterstützer. Beim Parallelprojekt „Gegen die Teilnahme von Xavier Naidoo am Eurovision Song Contest 2016“ signierten gut 10 000 Leute.

Andere wollen Naidoo nicht allein das Feld überlassen. So soll eine Bochumer Punkband ihm die Teilnahme für Deutschland beim Eurovision Song Contest streitig machen. Ein Journalistenblog aus dem Ruhrgebiet hat eine Online-Petition für die Band „Wolfgang Wendland und die Kassierer“ gestartet, mehr als 7000 Unterstützer unterschrieben.

Wendland (53) zeigte sich überrascht, möchte aber „auf jeden Fall“ in Stockholm antreten. „Mich hat sehr gestört, dass Herr Naidoo gesetzt ist“, sagte er am Freitag. Der Musiker und Satiriker, der sich bei Auftritten schon mal auszieht, ist auch für politische Aktionen bekannt. Bei der Bundestagswahl 2005 war er für die „Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands“ (APPD) angetreten, im September hatte er für das Amt des Bochumer Oberbürgermeisters kandidiert. Der Mann mit dem prägnanten Bierbauch tritt gern auch mal splitternackt auf.

Schlager-Urgestein Ralph Siegel (70, „Ein bißchen Frieden“) nahm Naidoo in Schutz, kritisierte aber das Verfahren. „Ich finde es nicht gut, dass die ARD keinen deutschen Vorentscheid veranstaltet, bei der auch der Nachwuchs eine Chance hätte, so wie man es früher immer sehr erfolgreich gemacht hat. Das finde ich fragwürdig“, sagte Siegel „Focus Online“. „Aber auf der anderen Seite ist Xavier Naidoo ein richtig guter Künstler. Das steht außer Frage und dagegen gibt es nichts zu sagen. Ich würde am liebsten ein Lied mit ihm schreiben.“

auch Joy Fleming (71), Mannheimer Rockröhre und Grand-Prix-Urgestein, nimmt ihren Sänger-Kollegen jetzt in Schutz. Die Kritik an seiner Nominierung für das Finale des Eurovision Song Contests am 14. Mai 2016 in Schweden sei „fast bösartig“, sagte sie im Interview mit dem „Mannheimer Morgen“ (Samstag).

„Ich kenne ihn ja, der Naidoo ist doch nicht rechtsradikal oder so was. Wahrscheinlich haben die bei der Entscheidung gedacht, je mehr Dreck geworfen wird, desto besser wird die Quote“, sagt sie dem Blatt. Von der Stimme her könne es Naidoo sogar auf „Platz eins“ schaffen.

Naidoo ist nach Joy Fleming der zweite Mannheimer in einem ESC-Finale. 1975 hatte die Blues-Spezialistin die Bundesrepublik mit „Ein Lied kann eine Brücke sein“ ebenfalls in Stockholm vertreten. In Zeiten des ABBA-Fiebers kam sie aber nur auf den 17. Platz.

ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber verteidigte indes erneut den Entschluss. „Was mich an dem Shitstorm überrascht hat, ist, dass die Bereitschaft, sich mit den Fakten oder dem, was er selber gesagt hat, auseinanderzusetzen, überschaubar ist“, sagte Schreiber dem Sender Deutschlandradio Kultur. Kritiker werfen Naidoo schwulenfeindliche Ansichten und eine Nähe zu Rechtspopulisten vor. Der Sänger wehrt sich dagegen. „Mit meinem ganzen Wesen stehe ich für ein weltoffenes und gastfreundliches Deutschland und einen respektvollen sowie friedlichen Umgang miteinander“, sagte er laut NDR-Mitteilung.

Aber selbst innerhalb der ARD gab es Kritik. Der Journalist Patrick Gensing sprach auf der Webseite des Politikmagazins „Panorama“ von einem falschen Signal. „Besonders ärgerlich an dieser Entscheidung: Der ESC hat sich in den vergangenen Jahren zu einem progressiven Ereignis entwickelt, das sich vor allem in der Schwulenszene größter Beliebtheit erfreut. Es ist schlicht ein falsches Signal, dass Deutschland nun einen Kandidaten ins Rennen schickt, dessen fragwürdige Positionen zu massiven Protesten gegen den ESC führen.“

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