Köln - „Das ist ja besser als Karneval hier“, sagen viele über den Kölner Christopher-Street-Day (CSD). Denn der CSD ist mehr als eine politische Demonstration, er ist Straßenfest, Veranstaltungsreihe, Besuchermagnet, Party – der größte CSD in Europa. Und für viele Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle ein wichtiger Feiertag. Während des CSDs dürfen sie so sein, wie sie wollen.
Mit der Rehabilitierung von schwulen Männern, die einst wegen des Paragrafen 175 verurteilt wurden, und der Öffnung der Ehe für Homosexuelle gibt es in diesem Jahr besonders viel zu feiern. Das tun auch Petra Fischer (40) und ihre Partnerin Cordula Moers (41). Gemeinsam mit ihrer vierjährigen Tochter Lucie sitzen sie am Sonntagmittag auf einer Wiese, um der Parade zuzuschauen. Seit der Öffnung der Ehe überlegen sie, zu heiraten.
„Jetzt dürfen Homosexuelle heiraten, was wollen sie denn noch?“, wird sich manch einer fragen. „Wenn man als Mann ein Kleid anzieht und auf die Straße geht, merkt man schnell, wo die Probleme sind“, sagt die Dragqueen Anna Bolikha, die aus Mainz zum CSD nach Köln gekommen ist. Sie trägt Bart, eine Blume in der schwarzen, langen Perücke und orange-glitzernden Nagellack. „Da sind verbale Übergriffe noch das geringste Übel.“
Diskriminierungen, körperliche wie verbale Gewalt und Klischees sind immer noch weit verbreitet. Das weiß auch Jürgen Piger, der im „Anyway“ als Pädagoge arbeitet. Das „Anyway“ ist ein Kölner Jugendzentrum speziell für lesbische, schwule, bi-, inter-, und transsexuelle Jugendliche. Er wünscht sich mehr Aufklärungsarbeit an Schulen. „Es braucht Begegnungen, um Vorurteile abzubauen“, sagt er. „Nur so lernen die heterosexuellen Jugendlichen, dass eine lesbische oder transsexuelle Mitschülerin ganz normal ist.“
Skyler Rösing (17) musste erleben, dass genau das häufig nicht der Fall ist. Er ist Transmann, also in einem weiblichem Körper geboren. Was Gesetze angeht, sieht der Schüler Nachholbedarf in Deutschland. „Bei der Namens- und Personenstandsänderung werden einem viele Stolpersteine in den Weg gelegt.“ Das alles sollte sich ändern, findet der 17-Jährige. Und deshalb geht er beim Christopher-Street-Day auf die Straße – wie etwa 30 000 weitere Demonstranten.
