INNSBRUC - Johannes Heesters lässt sich nicht unterkriegen. Trotz eines schmerzhaften doppelten Rippenbruchs in der Silvesternacht kann der 104-jährige Sänger und Unterhalter das Singen nicht lassen. Keine 48 Stunden nach seinem Sturz in seinem Ferienhaus bei Alpbach sang und summte „Jopie“ am Mittwoch in seinem Krankenzimmer in der Innsbrucker Universitätsklinik bereits wieder Tonleitern.
Schon zum Frühstück habe er zwei Tassen Kaffee getrunken, heißt es in der österreichischen Klinik bewundernd. Wenn die Genesung des sangesfrohen Holländers derartige Fortschritte mache, könne Heesters zum Wochenende wieder zu Hause sein, sagte sein behandelnder Arzt. „Körperlich ist der 104-Jährige in einem ungewöhnlich guten Zustand“, staunte Michael Blauth von der Abteilung Unfallchirurgie und Sporttraumatologie. Wenn alles – wie erwartet – verheilt, wird Heesters wie bisher auftreten und singen können.
Wie es zu dem Unfall im Ferienhaus kam, war am Mittwoch noch nicht klar. „Jopies“ 46 Jahre jüngere Ehefrau Simone Rethel hatte ihren Mann am Boden liegend und laut stöhnend gegen fünf Uhr früh gefunden. Offenbar war Heesters auf dem Weg zur Toilette gestürzt. Zunächst dachte das Paar nicht an eine ernste Verletzung. Doch dann seien die Schmerzen immer stärker geworden. Dazu kam die Atemnot.
Heesters, der nach eigenen Angaben mindestens 106 Jahre alt werden will, musste rasch ins Krankenhaus. Doch der Transport war nicht einfach. Über eine Drehleiter mussten ihn die Helfer aus dem ersten Stock des Hauses hieven. Unter Narkose wurden dann die zwei gebrochenen Rippen in Innsbruck wieder gerichtet. „Die Brüche sind eher harmlos, aber die Verletzung ist sehr schmerzhaft und bereitet Probleme mit der Atmung“, meinte der behandelnde Arzt am Mittwoch. Ungeachtet des hohen Alters seines Patienten würden die Rippen aber wieder ausheilen. Wichtig sei nur, Heesters schmerzfrei zu halten. Drei bis vier Tage, so die Prognose, müsse der Sänger noch zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben.
In der kleinen Gemeinde Alpbach werden Heesters Unfall und die Genesung mit großer Anteilnahme verfolgt. „Wir haben gehört, er macht schon wieder Turnübungen“, erzählt die Mutter des Bürgermeisters Markus Bischofer. Heesters komme schon seit vielen Jahren in den Ort. Man könne den ältesten Gesangsstar der Welt regelmäßig im Gasthaus antreffen, wohin er zum Mittagessen gehe. Und Simone Rethel sei in Alpbach fast zu Hause: „Die kam schon als Kind mit ihren Eltern hierher.“
