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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Ist Dschihadi John tot?

14.11.2015
NWZonline.de NWZonline 2015-11-14T05:17:37Z 280 158

Us-Drohne Beschießt Fahrzeug:
Ist Dschihadi John tot?

Washington Das US-Militär hat versucht, den als „Dschihadi John“ bekannten Henker der Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien mit einer Drohne zu töten. Ob der als Mohammed Emwasi identifizierte britische Extremist bei dem Angriff getötet wurde, war am Freitag aber noch unklar. Das Ergebnis der Attacke werden derzeit geprüft, hieß es aus den USA und Großbritannien.

Ein US-Regierungsvertreter sagte, die Drohne habe in der IS-Hochburg Rakka ein Fahrzeug beschossen, in dem Emwasi vermutet worden sei. Weitere Details nannte er nicht.

US-Außenminister John Kerry sagte, es werde noch geprüft, ob der Angriff sein Ziel erreicht habe. Die IS-Terroristen müssten jedoch wissen, dass ihre Tage gezählt seien und sie ihren Kampf verlieren würden.

Der britische Premierminister David Cameron sagte, der Angriff sei ein Akt der Selbstverteidigung und eine gemeinsame Leistung seines Landes und der USA gewesen. Die britischen Geheimdienste hätten rund um die Uhr gearbeitet, um Emwasi aufzuspüren. Der Angriff auf ihn sei „ein Angriff auf das Herz des IS“. Camerons Vorgänger Tony Blair sagte, es sei wichtig, dass der IS auch auf seinem Territorium angegriffen werde.

Louise Woodward-Styles, die Mahnwachen für die Geiseln organisiert hatte, erinnerte daran, dass die Leichen einiger Ermordeter immer noch nicht in die Heimat überführt worden seien. Falls Emwasi tatsächlich getötet worden sei, werde das den Angehörigen kaum inneren Frieden bringen. Auch fände sie es besser, wenn der Henker in Großbritannien vor Gericht gestellt würde.

Emwasi soll als Henker in IS-Videos zu sehen sein, die unter anderem die Enthauptungen der US-Journalisten Steven Sotloff und James Foley, des US-Entwicklungshelfers Abdul-Rahman Kassig, der britischen Entwicklungshelfer David Haines und Alan Henning sowie des aus Japan stammenden Journalisten Kenji Goto zeigen. In den Aufnahmen der Terrormiliz trat Emwasi meist vermummt, in schwarzer Kleidung und mit einem überdimensionalen Messer auf und sprach Englisch mit britischem Akzent.

Der spanische Journalist Javier Espinosa, der selbst mehr als ein halbes Jahr in der Gewalt des IS war, beschrieb Emwasi als blutrünstigen Psychopathen, der seine Gefangenen damit gequält habe, dass er ihnen Enthauptungen in allen Einzelheiten geschildert habe. Die Geiseln hätten ihn wegen seines Akzents nach dem früheren Beatles-Mitglied John Lennon „Dschihadi John“ genannt.

Im Februar wurde Emwasi identifiziert, Experten bestätigten dies später. Doch zog ein früherer Anwalt von Emwasis Vater dies in Zweifel und erklärte, es gebe keine Beweise dafür.

Emwasi wurde in Kuwait geboren und verbrachte einen Teil seiner Kindheit in einer armen Gegend in Dschahra, ehe er noch als Junge nach Großbritannien zog, wie Medien unter Berufung auf syrische Aktivisten berichteten. Er ging in London zur Schule und studierte später Informatik an der University of Westminster. 2013 verließ er das Land Richtung Syrien. Er soll Mitte 20 sein.

Die britischen Geheimdienste hatten Emwasi schon seit mindestens 2009 im Visier, damals wurde er mit Terrorakten in Somalia in Verbindung gebracht. Allerdings konnten die britischen Behörden ihn nicht an der Ausreise nach Syrien hindern.