ITZEHOE - Der Fall bewegte die Republik. Die Leiche des kleinen Tim wurde in einer Tasche gefunden.
Von Julia Deppe
ITZEHOE - Der Angeklagte lässt sich nichts anmerken. Er starrt regungslos ins Leere. Fast scheint es, als ginge es vor dem Landgericht Itzehoe gar nicht um ihn. Dabei lässt das Urteil nicht den kleinsten Raum für Zweifel. Nach Überzeugung der fünften großen Strafkammer trägt nur einer die Schuld am Tod des zweijährigen Tim aus Elmshorn: Der angeklagte Oliver H., 38 Jahre alt und Ex-Freund von Tims Mutter. Er muss wegen Totschlags 13 Jahre in Haft. „Ihre Tat verdient tiefste Verachtung“, hält der Vorsitzende Richter Eberhard Hülsing dem Angeklagten vor.Mit nüchternen Worten schildert das Gericht, wie sich die Bluttat an jenem Abend im November 2005 zutrug. Oliver H. habe den Jungen, der sich zu der Zeit in seiner Obhut befand, „roh und heftig misshandelt“, ihn geschüttelt und mehrfach – vermutlich gegen eine Wand – geschlagen. „Dabei haben Sie Tims Tod billigend in Kauf genommen“, sagt Hülsing. Und schlimmer noch: Als er den Jungen nach zwölf Stunden Todeskampf schwer verletzt in seiner Wohnung vorgefunden habe, habe er ihn einfach liegen lassen, anstatt den Notarzt zu rufen. Später habe er die Leiche in einer Sporttasche „entsorgt“.
Vehement hatte der 38- Jährige die Tat vor Gericht bestritten. Eine andere Person könne Tim in seiner Wohnung getötet haben – möglicherweise sogar die Mutter.
Das wollte das Gericht nicht glauben. Tatsächlich hatte sich Oliver H. in Widersprüche verstrickt. Erst deutete er an, ein Unfall in der Dusche könne zu Tims Tod geführt haben. Dann beteuerte er, das Kind habe sich bei dem Sturz nicht verletzt.
Sechs Tage lang hatte ganz Deutschland um den blonden Jungen gebangt, Hundertschaften hatten die Umgebung von Tims Elternhaus durchkämmt. Unter mysteriösen Umständen schien der Zweijährige verschwunden zu sein. Doch die Lösung des Rätsels war so banal wie grausam: Tim wurde am 16. November auf einem Grundstück entdeckt, auf dem Oliver H. Renovierungsarbeiten erledigt hatte.
