Karslruhe - Er stürmte voran, er wollte immer mehr als das momentan Mögliche, er grollte, wenn andere nicht mitkamen oder, schlimmer noch, ihn gar nicht erst verstanden. Luigi Colani, der so berühmte wie zeitweise auch geschmähte Stardesigner war ziemlich genial und seiner Zeit oft weit voraus. Er erdachte spektakuläre und futuristische Autos, Rennwagen oder Flugzeuge. Er ließ Lastwagen mit raumschiffähnlichem Führerhaus bauen. Er entwarf wie ein Berserker und er überwarf sich Zeit seines Lebens nebenbei mit so ziemlich allen Designkollegen. Jetzt ist der so dickköpfige wie egozentrische Meister der runden Form im Alter von 91 Jahren gestorben.

Seine Welt sei rund, betonte er immer wieder. Er hasste eckige Formen, rechte Winkel und harte Gradlinigkeit. Stattdessen gestaltete er neben seinen vielen aerodynamischen Fahrzeug-Prototypen rundleibige Fernseher, dickbäuchige Kugelschreiber, geschwungene Stühle, sanftförmige Brillen oder ovalschwebende Klos – kein Gebrauchsgegenstand war ihm zu banal. Eine von ihm entworfene Kugelküche sah aus, wie direkt aus Raumschiff Enterprise entsprungen.

Im Laufe seines Lebens arbeitete er außer in Deutschland, Italien, Mexiko, den USA oder Russland auch in Japan oder China. Er feierte riesige Erfolge etwa mit der legendären Canon T90, die das Design der Marke entscheidend prägte. Er verdiente in den 70er und 80er Jahren viel Geld und er war einer der ersten Designer, die ihre Produkte unter seinem Namen vermarktete mit dem so unverwechselbar wellenförmig geschwungenen Schriftzug „Colani“.

In Berlin geboren, bastelte er sich als kleines Kind Autos oder Schiffe zusammen. Nach der Schule studierte er an der Berliner Kunstakademie. Später in Paris beschäftigte er sich an der Universität Sorbonne mit Aerodynamik. Er heiratete, bekam zwei Söhne, trennte sich. Der Kontakt zu seinen Söhnen war nach seinen eigenen Worten spärlich.

Sein Denken, so sagte er, sei stets auf das Morgen zugegangen. Ablehnung, wie sie ihm nicht zuletzt wegen seiner hochfahrenden und überheblichen Art entgegenschlug, kränkte ihn, auch wenn er das nicht gern zugeben mochte. „Das Scheitern liegt auf der anderen Seite“, sagte er bockig. Colani fühlte sich verkannt. Ein Museum, das er doch so gern gehabt hätte, wurde nie gebaut.

Zuletzt war Luigi Colani leiser geworden, aber er blieb nicht weniger stur oder weniger stolz. Im Gegenteil. „Ich wurde kopiert, kopiert, kopiert“, sagte er noch im Jahr 2018. Und: „Sie können zurückgehen auf das, was ich vor 20, 25 Jahren gesagt habe – das ist heute neu, neu, neu!“ Ein wenig traurig war der Design-Superstar dann auch, aber nur kurz: „Ich habe in keine Zeit gepasst.“