Augsburg/Hannover - Fast zwei Jahrzehnte lang hat sich ein Kinderarzt an Jungen vergangen. Auf mindestens 21 Missbrauchsopfer stieß die Kripo bei ihren Ermittlungen. Zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Augsburg legte der 40-Jährige am Montag ein umfangreiches Geständnis ab. Möglicherweise werden den Opfern dadurch die belastenden Aussagen vor Gericht erspart.

Die Staatsanwältin hatte zuvor etwa zwei Stunden lang das Martyrium der Opfer aufgezählt. Bundesweit bekannt wurde der Fall eines Fünfjährigen, der im August 2014 in Garbsen bei Hannover entführt, mit Medikamenten betäubt, brutal missbraucht und auch geschlagen wurde. Nach zwei Stunden wurde der weinende und benommene Junge wieder ausgesetzt.

Die Polizei suchte mit großem Aufwand nach dem Täter und verteilte Flugblätter rund um den Tatort. Nach wenigen Wochen führte die Spur zu dem Kinderarzt, der am Augsburger Klinikum und zuletzt an der Medizinischen Hochschule Hannover gearbeitet hatte, er wurde festgenommen. Die Ermittler durchleuchteten die Vergangenheit des Mediziners und stießen auf immer neue Opfer.

In vielen Fällen hatte der Angeklagte die Jungen im Kindergarten- oder Grundschulalter auf der Straße oder einem Spielplatz angesprochen. Seit Ende der 90er Jahre soll er sich auch jeweils mehrfach an den Söhnen von zwei Freundinnen vergangen haben. Der Mann engagierte sich lange auch beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Seine Position nutzte er aus, um weitere Opfer zu finden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann eine ganze Reihe schwerer Straftaten vor – von schwerem sexuellen Missbrauch über Vergewaltigung und Freiheitsberaubung bis zum Besitz von Pornos, die Kinder vom Baby bis zu 13-Jährigen zeigen sollen. Auch um Gewaltpornos und Sex mit Tieren soll es gehen. In etlichen Fällen soll der Mann bei den eigenen Taten Aufnahmen gemacht und diese gespeichert haben. Dem Mann drohen bis zu 15 Jahre Haft, auch eine Sicherungsverwahrung kommt in Betracht.