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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Kleine Tablette mit großer Wirkung

01.06.2011

BERLIN „Anovlar“ stand auf der weiß-grünen Packung, die am 1. Juni 1961 erstmals in westdeutschen Apotheken zu kaufen war – aber nur auf Rezept und von verheirateten Frauen, die bereits Kinder hatten und offiziell an Regelbeschwerden litten. Im Inneren der Packung, deren „Nachbau“ vier Jahre später auch in der DDR auf den Markt kam, steckte jedoch die bahnbrechendste Erfindung des 20. Jahrhunderts, wie Historiker später urteilten: die Pille, die wie kein anderes Verhütungsmittel Sexualität von Fortpflanzung unabhängig machte und für viele zu einem Meilenstein der Selbstbestimmung wurde.

Heute – 50 Jahre später – verhüten in Deutschland mehr als die Hälfte der Frauen mit der Pille. „Es gab ja zuvor bereits eine sehr lange Tradition der Geburtenregelung, teils mit brachialen Methoden. Aber mit der Pille waren Frauen erstmals in der Lage, diese Entscheidung allein für sich zu treffen“, sagt Alfred Pauls vom Institut für Sexualwissenschaft und Sexual­medizin der Berliner Charité.

Weltpremiere hatte die Pille ein Jahr zuvor in den USA – vorangetrieben von dem Chemiker Carl Djerassi, der als Erster ein oral wirksames, synthetisches Gestagen herstellte. Doch waren Forscher in Europa schon Jahrzehnte vorher auf die Spuren der hormonellen Empfängnisverhütung gekommen. Der Innsbrucker Professor Ludwig Haberlandt hatte bereits 1901 festgestellt, dass Kaninchen, denen die Eierstöcke trächtiger Artgenossinnen eingepflanzt worden waren, nicht schwanger wurden.

In den nächsten Jahrzehnten setzten Wissenschaftler der Berliner Schering AG diese Arbeiten fort und entwickelten 1938 erstmals ein oral wirksames Östrogen sowie das erste synthetische Gestagen. Doch Nationalsozialismus und Weltkrieg unterbrachen die Forschungen, viele Wissenschaftler emigrierten. Ende der 50er Jahren erst war das Verfahren schließlich so ausgereift, dass die Idee eines hormonellen Verhütungsmittels umgesetzt wurde.

Doch der Start war schwierig. In Adenauers Nachkriegs-Westdeutschland, in dem das Hausfrauen-Familienmodell üblich war, wurden Informationen über die neue Verhütungsmethode nur unter der Hand weitergegeben. 1968 brandmarkte Papst Paul VI. Verhütungsmittel und aktive Geburtenregelung in einer Enzyklika als Sünde.

Mit der Studentenbewegung und der fortschreitenden Frauenemanzipation wurde der Umgang mit der Pille freier. Heute ist der Gang zum Frauenarzt auch für Mädchen längst gesellschaftlicher Konsens. Gerade bei den jüngeren Frauen bis 30 Jahre ist sie das beliebteste Verhütungsmittel. Bei den älteren Nutzerinnen jedoch haben auch immer wieder Untersuchungen zu erhöhter Krebs- oder Thrombosegefahr für eine Verunsicherung gesorgt.

Die Pille ist das am meisten benutzte Verhütungsmittel in Deutschland. 53 Prozent der Paare verlassen sich auf die tägliche Hormontablette, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

Rund 37 Prozent benutzen ein Kondom, berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) nach einer Befragung von 18- bis 49-Jährigen.

Eine Spirale nutzen zehn Prozent der Frauen. Insgesamt ebenso viele Erwachsene – jeweils fünf Prozent der Männer und Frauen – ließen sich sterilisieren.

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