Teruel - Víctor Barrio war einen winzigen Moment unaufmerksam. In diesem Augenblick wurde der Torero am Sonnabend von einem Kampfstier zu Boden gestoßen. Der gut 500 Kilogramm schwere Koloss ließ von dem im Sand liegenden Stierkämpfer nicht ab. Das Tier bohrte ein Horn in den Brustraum des 29-Jährigen. Die Ärzte in der Krankenstation der Arena von Teruel im Osten Spaniens stellten wenig später den Tod des Stierkämpfers fest.

Víctor Barrio, bis dahin ein Unbekannter in der Szene, geht nun als der erste Torero in die Geschichte des spanischen Stierkampfs ein, der in diesem Jahrhundert in der Arena von einem Stier getötet wurde. Zuletzt waren in den Jahren 1984 und 1985 zwei Stierkämpfer sowie im Jahr 1992 zwei Banderilleros (Gehilfen von Toreros) in spanischen Arenen zu Tode gekommen.

Der 29-Jährige starb vor den Augen eines Millionenpublikums. Der Stierkampf in der Provinzarena von Teruel wurde live vom Regionalfernsehen übertragen. Der Stier mit dem Namen Lorenzo hatte dem Torero ein Horn in die rechte Achselhöhle gestoßen und einen Lungenflügel und die Herzschlagader durchbohrt. Dass Toreros bei Stierkämpfen verletzt werden, gehört zum Alltag der Branche. Todesfälle hatte es zuletzt keine mehr gegeben, weil selbst abgelegene Provinzarenen mit Krankenstationen ausgerüstet worden waren, in denen Notoperationen vorgenommen werden können.

Víctor Barrio hatte als Stierkämpfer einen schweren Stand gehabt. In der Madrider Arena „Las Ventas“, dem bedeutendsten Stierkampfstadion der Welt, hatte er zweimal das Publikum nicht begeistern können. Daher erhielt er zuletzt von den Veranstaltern nur noch Verträge für Auftritte in der Provinz.

„Sein Blut wurde nicht sinnlos vergossen“, schrieb Journalist Rubén Amón in der Zeitung „El País“. Einige Stierkampfgegner reagierten dagegen mit hämischen Kommentaren.