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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Knuts Bärenfell noch nicht verteilt

20.05.2009

BERLIN Eisbär Knut aus dem Berliner Zoo ist an diesem Dienstag Chefsache. Peter Drüwa, Tierparkdirektor aus Neumünster, trägt beim Prozess am Berliner Landgericht denn auch Krawatte – mit Eisbären, die sich in die Höhe recken. Der Zoologe aus Schleswig-Holstein will mit seiner Klage erreichen, dass der Berliner Zoo offenlegen muss, wie viele Millionen Euro Publikumsliebling Knut in die Kassen gespült hat – dann will Neumünster als Knut-Eigentümer Anteile fordern.

Berlins Zoochef Bernhard Blaszkiewitz mit legerem Hemd und ohne Krawatte liest dagegen demonstrativ desinteressiert in einer Zeitschrift, als der Prozess unterbrochen und hinter verschlossenen Türen um einen Vergleich der seit Monaten streitenden Zoos gerungen wird.

Doch der Gütevorschlag von Richter Philip Hegermann scheitert. „Wenn Berlin einen so berühmten Bären hat, dann kann der Zoo es sich doch auch mal was kosten lassen, den Bären für Berlin zu sichern“, appelliert er vergeblich. Knut gehört vertraglich Neumünster, Erzeuger Lars war in die Hauptstadt ausgeliehen worden.

Für den Kauf von Knut schlägt Hegermann einen Preis von 700 000 Euro vor. Zoo-Anwalt Joachim Gabler lehnt brüsk ab. „Hier gibt es, pardon, keine Zockerei.“ Als Empfänger öffentlicher Fördergelder habe man eine besondere Verantwortung. Maximal 350 000 Euro und keinen Cent mehr würde Berlin sich den Publikumsmagneten kosten lassen.

Das ist Neumünster zu wenig. Der Zoo braucht das Geld dringend für Renovierungen. Die letzte Forderung: 500 000 Euro.

Nach Schätzungen soll Knut rund sechs Millionen Euro „verdient“ haben, auf Shirts, Kaffeetassen und als Kino-Star.

Den Eisbären will der Tierpark in Schleswig-Holstein gar nicht, dafür sei kein Platz in dem kleinen Tiergarten, ist zu hören.

Trotzdem droht Anwalt Arne Graßmay den Berliner Zooleuten schon mal indirekt an, Knut notfalls aus der Hauptstadt abzuziehen.

Ein Weggang von Knut wäre für seine treuen Verehrerinnen, die in den hinteren Reihen gespannt den Prozess verfolgen, fürchterlich und nicht zu ertragen. Die Initiative „Knut forever“ hat schon 28 000 Unterschriften für einen dauerhaften Hauptstadtaufenthalt des Bären gesammelt.

Der wohl einmalige Streit in der internationalen Zoowelt geht nun weiter. Bis zum 13. Juli müssen die Streitparteien dem Gericht mitteilen, ob sie sich geeinigt haben. Klappt das nicht, will das Gericht am 1. September ein Urteil verkünden. Richter Hegermann macht keinen Hehl daraus, dass die Klage aus Neumünster wenig Erfolgsaussichten hat. Berlin habe sich die Rechte an der Marke Knut gesichert – und damit die wirtschaftliche Nutzung.

www.zoo-berlin.de

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