Köln - Der Elfte im Elften in Köln. Wo man auch hingeht, sind fast alle maskiert. Aber niemand verkleidet. „Wir feiern nicht, wir öffnen nicht“ lautet das coronagerechte Motto von Stadt und Festkomitee am Tag der traditionellen Sessionseröffnung am 11.11.. Und die Kölner jecken sind diszipliniert. Der Heumarkt ist menschenleer.
Nichts außer Stille
Wo sonst 10 000 Jecken kostümiert zum Karnevalsauftakt schunkeln, herrscht beklemmende Stille. Keine Bühne, keine Bands. Zu hören ist nur das Klicken der Kameras der Pressefotografen. Sie fotografieren ins Nichts. Oder in den Himmel. Dort kreist ein Luftschiff, bestellt und gesteuert vom Traditionscorps der Roten Funken, mit der Forderung als Aufschrift: „bliev zohuss“ („bleib zu Hause“).
Aber um viertel nach Elf, nach dem üblichen Countdown um 11.11 Uhr, sind doch noch einige Leute kostümiert erschienen. Kölner haben diese Uhrzeit im Biorhythmus. Eine von ihnen ist Jutta Siegler . Sie will mit ihrem Funkenmariechen-Outfit „ein Zeichen setzen“, wie sie hinter ihrer rot-weißen Mund-Nasen-Schutz-Maske sagt. Juttas Gefühle sind zwiegespalten: „Ich finde es völlig richtig, dass das heute abgesagt wurde. Aber es macht mich einfach nur traurig.“
Trauer drückt auch Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn aus. „Jetzt realisiert man wirklich, was wir verloren haben.“ Er steht am 11.11. coronatauglich in luftigen Höhen auf dem Dach eines Kölner Hotels, wo der WDR die „kleinstmögliche Sessionseröffnung“ mit Domblick überträgt. Mit viel Abstand und nur dem nötigsten Personal wie dem Dreigestirn und Kinderdreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau sowie Vertretern der Willi-Ostermann-Gesellschaft, die sonst für die Eröffnung in der Altstadt zuständig ist, wird der Countdown gezählt.
Statt Massenschunkeln, Musikbands und Konfettikanone werden in aller Stille rote und weiße Ballons, den Stadtfarben Kölns, zum Start der Session in den Himmel geschickt. Die Karnevalsfunktionäre auf dem Hoteldach sind sich einig: Abstand halten, Verzicht auf Feiern und Massenansammlungen seien wichtig, um die Ausbreitung von Corona einzudämmen.
Auf der anderen Rheinseite feiern ein paar Dutzend Corona-Leugner den „Karneval der Liebe“. Dort lautet das Sessionsmotto „Corona-Maßnahmen, Impfzwang und Grundrechte, Freiheit und Recht“. „Hier ist alles unter Kontrolle“, erklärt ein Polizist. Die Demonstranten hielten Abstand, nicht wenige trügen sogar eine Maske.
Große Einbußen
Juri betreibt einen Kiosk in der Nähe des Heumarktes. Normalerweise verkauft er kistenweise Kölsch an den Hochtagen des Kölner Karnevals. „Ich habe heute bis Mittag drei Packungen Zigaretten verkauft.“ Von 22 Uhr am Mittwoch bis 6 Uhr am nächsten Morgen herrscht Alkoholverbot. Komplett geschlossen sind in Köln alle Kneipen und Restaurants. Davon ist auch Gastronom Daniel Rabe betroffen. „Ich finde es richtig, dass wir heute geschlossen haben.“ Auch Restaurants seien an der Ausbreitung des Virus nicht ganz unschuldig.
