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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Wie kam das Gift in die Glukose?

12.10.2019

Köln Der Tod kam durch weißes Pulver, so viel steht fest. Glukose, verunreinigt durch Spuren von Lidocainhydrochlorid. Beide Stoffe sehen sich zum Verwechseln ähnlich – obwohl ihr Inhalt unterschiedlicher kaum sein könnte. Glukose ist Traubenzucker, Lidocainhydrochlorid dagegen ein Betäubungsmittel. Seine Einnahme kann tödlich enden – wie im Fall einer jungen Kölnerin.

Die schwangere 28-Jährige hatte sich im September vermeintlich nur Glukose aus der Apotheke geholt – als Routine-Test auf Diabetes. Doch das Präparat wurde ihr zum Verhängnis. Sowohl sie selbst als auch ihr Baby starben wenig später im Krankenhaus an Organversagen. Der in der Apotheke abgefüllte Stoff enthielt Spuren des giftigen Betäubungsmittels, wie die Rechtsmedizin später feststellte. Der Fall sorgte bundesweit für Spekulationen.

Nach Wochen bricht die Kölner Staatsanwaltschaft am Freitag ihr Schweigen: „Es gibt keine Anhaltspunkte, die in Richtung Vorsatz führen“, sagt Staatsanwalt Ulrich Bremer. Das Ganze sei eher auf ein Versehen zurückzuführen. Man ermittelt nun gegen zwei Mitarbeiter des Geschäfts wegen fahrlässiger Tötung. „Diese Personen sind in den Fokus geraten, mit den Stoffen hantiert zu haben“, so Bremer. Beide gaben wohl bereitwillig Auskunft über die Abläufe in der Apotheke, stritten die Tat selbst jedoch bislang ab.

Was genau geschah, ob Hektik oder Unaufmerksamkeit die Tragödie auslösten, wird weiter ermittelt. Doch die Ähnlichkeit der beiden Stoffe scheint ausschlaggebend zu sein, auch die Behälter sollen annähernd gleich ausgesehen haben. Ein Rest des Betäubungsmittels sei vermutlich in einen anderen Glukosebehälter gekippt worden, da man den Rest ebenfalls für Glukose gehalten hatte, erklärt Bremer. „Das ist ein wahrscheinliches Szenario.“

Auch wenn wohl keine kriminelle Energie im Spiel war, wirft der Fall weiter Fragen auf. Waren die Gefäße nicht ausreichend gekennzeichnet? Wieso wurde das Mittel nicht auf seine Inhaltsstoffe getestet? Mangelt es in deutschen Apotheken an Kontrollen? Das sei nicht der Fall, meint der Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein, Thomas Preis. Die große Zahl an Rezepturen, die tagtäglich in öffentlichen Apotheken hergestellt und verkauft würden, seien Beweis für verlässliche Qualität. „Das ist ein Fall, der offensichtlich nicht auszuschließen ist, aber sehr, sehr unwahrscheinlich ist.“

Für die Behörden in NRW heißt das zunächst: Entwarnung. Es gibt keinen perfide handelnden Apotheken-Mitarbeiter, der gezielt Patienten vergiftet. Das Gesundheitsministerium hob die vorsorglich angeordnete Schließung von drei Kölner Apotheken auf, der Betreiber darf wieder öffnen. Die Herstellung eigener Arzneimittel bleibt dort jedoch vorerst untersagt.

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