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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Rassismus: Asiaten machen dem Ärger Luft: „Ich bin kein Virus“

05.02.2020

Köln /Rom Er ist in Deutschland geboren. Er hat ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Er spricht akzentfrei Deutsch. Und dennoch hat er seit seiner Kindheit immer wieder das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören. Weil Yen Souw Tain chinesische Wurzeln hat. Jetzt sorgt die Angst vor dem Coronavirus weltweit verstärkt für negative Emotionen. In Malaysia etwa fand eine Online-Petition für ein Einreiseverbot für Chinesen Hunderttausende Unterstützer.

Am vergangenen Freitag wurde es Yen Souw Tain in Köln jedenfalls zu viel. Er postete etwas auf Facebook. „Liebe Kunden und Asia Fans“, begann der 32-Jährige. Damit richtete er sich an diejenigen, die im Supermarkt seines Vaters in Köln einkaufen. Ein Markt für asiatische Spezialitäten. Ein Markt, in dem es gerade ruhiger ist als sonst.

„Was wir im Moment erlebt haben, ist sehr traurig“, schrieb Tain. Er schilderte folgende Szene: Eine Frau kommt mit ihrer etwa zehn bis zwölf Jahre alten Tochter in den Supermarkt und fordert sie auf: „Zieh deinen Schal vors Gesicht!“ An der Kasse fragt das Mädchen die Mutter: „Sind denn alle Chinesen hier krank?“ Die Mutter antwortet nicht. Sie bezahlt schnell und hastet nach draußen. „Das fand ich schockierend“, sagt Tain. Für ihn sei das eine Form von „Rassismus, den man nicht sofort erkennt“.

In Italien, wo viele Menschen mit chinesischen Wurzeln seit Jahrzehnten zu Hause sind, häufen sich die Vorfälle. Vergangene Woche hing vor einer Bar am Trevi-Brunnen in der Hauptstadt Rom ein Schild, das Chinesen den Eintritt verbot. In Rom war bei einem Urlauberpaar aus China das Virus festgestellt worden.

Im norditalienischen Turin ging die Bürgermeisterin Chiara Appendino demonstrativ Chinesisch essen, erzählten Medien. Sie warnte vor „Rassismus“. Zuvor hatte es einen Vorfall in einem Bus gegeben. Mitreisende sollen eine Chinesin als „unerwünschte Person“ angegangen sein.

Unter dem Hashtag #JeNeSuisPasUnVirus (auf Deutsch: Ich bin kein Virus) berichten Menschen asiatischer Herkunft seit einigen Tagen von ihren Erfahrungen mit Rassismus im Alltag seit dem Aufkommen des Virus.

„Ich habe zu China ganz, ganz wenig Bezug“, sagt Tain. „Wenn man mich nach China schicken würde, wäre ich aufgeschmissen. Weil ich mich als Deutscher fühle und genauso denke. Und deshalb finde ich es traurig, dass jemand, der hier seine Heimat hat, trotzdem ausgegrenzt wird.“

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