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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Krebsfälle in Fracking-Gemeinde sorgen für Angst

26.09.2014

Hemslingen Kühe und Pferde grasen auf Weiden mitten im Ort. Kinder toben vor den Häusern im Laub oder fahren mit ihren Kettcars umher. Silke Döbel winkt aus ihrem Auto den Nachbarn zu. Auf ihrer Fahrt kommt sie an hübschen Einfamilienhäusern und Bauernhöfen vorbei. Immer wieder zeigt sie auf einzelne Häuser: „Die Frau hat Krebs. Der Mann ist gerade an Krebs gestorben.“ Allein dieses Jahr musste die 44-Jährige drei Freunde beerdigen, die den Kampf gegen den Krebs verloren haben. Auch ihre eigene Familie ist betroffen.

Dass etwas in Hemslingen nicht stimmt, vermuten die Bürger schon länger. Doch jetzt haben sie Gewissheit: Es gibt überdurchschnittlich viele Krebsfälle in der Samtgemeinde Bothel, zu der der rund 1400 Einwohner zählende Ort gehört. Das hat eine Untersuchung des niedersächsischen Krebsregisters kürzlich ergeben. Danach erkrankten 41 Männer von 2003 bis 2012 an Leukämie und Lymphomen. 21 wären statistisch zu erwarten gewesen.

Das Ergebnis hat die Menschen in der Region aufgerüttelt. Auch Döbel, die gemeinsam mit anderen Bürgern für die Untersuchung gekämpft hat, verbringt seither noch mehr schlaflose Nächte. „Es gibt eine Ursache dafür. Nur welche?“, fragt sie sich. Einen Verdacht haben viele. Denn ländliche Idylle herrscht in Hemslingen nur auf den ersten Blick. Wer sich etwas umschaut, stößt schnell auf eingezäunte Flächen, über die lange Rohre verlaufen. Der kleine Ort auf etwa halber Strecke zwischen Bremen und Lüneburg ist umringt von 20 Erdgasförderstätten, die nächste ist gerade mal 500 Meter von Döbels Haus entfernt.

In der Bevölkerung ist vor allem die Angst vor dem umstrittenen Fracking groß, das in der Gegend bis 2011 eingesetzt wurde. Kathrin Otte vom Gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkranke bereitet die konventionelle Erdgasförderung aber mehr Kopfzerbrechen. Im Sommer hatte das Landesbergamt erhöhte Quecksilberwerte an zwei Bohrplätzen von Exxon Mobil gemessen. Der giftige Stoff kommt natürlicherweise in Erdgaslagerstätten vor und gelangt bei der Förderung an die Oberfläche.

Doch auch andere Substanzen - wie krebserregendes Benzol - könnten dabei austreten, erläutert Otte, die sich ebenfalls für die Krebsstudie in Bothel stark gemacht hat. „Welche das sind und welche Auswirkungen diese auf die Gesundheit haben, wissen wir nicht.“ Sie fordert deshalb eine langfristige Gesundheitsuntersuchung, die auch andere Erdgasregionen in Niedersachsen einbezieht. Davon gibt es etliche - immerhin werden in dem Bundesland fast 95 Prozent des deutschen Erdgases gefördert.

Das niedersächsische Gesundheitsministerium sieht zurzeit keinen Zusammenhang zwischen der erhöhte Krebsrate in Bothel und der Erdgasförderung. Es will diesen aber auch nicht ausschließen. Experten sollen jetzt die Ursache für die vielen Krebserkrankungen finden. Der zuständige Kreis Rotenburg will dafür mehr über die Betroffenen erfahren, wo sie zum Beispiel wohnen und arbeiten. Die Daten des Krebsregisters sind anonymisiert und lassen deshalb keine Rückschlüsse auf Parallelen bei den einzelnen Fällen zu. „Das wird eine ganze Zeit dauern“, sagt Landrat Hermann Luttmann (CDU).

Zeit, die die Menschen in Bothel eigentlich nicht haben. „Das Problem ist, dass die Leute weiter krank werden“, sagt Döbel. Doch vorerst bleibt ihr, ihren Freunden und Nachbarn nichts anderes übrig, als mit der Gewissheit zu leben, dass irgendwas in ihrer Nähe ihre Gesundheit gefährdet - und mit der Ungewissheit, was es ist und ob es sie treffen wird.

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