KREFELD - Olaf H. starrt den Psychiater an und ist hochkonzentriert. Fast zwei Stunden lang setzt sich der renommierte Gutachter Martin Al­brecht mit dem Seelenleben des Angeklagten auseinander. Was war das Motiv des Telekom-Managers? Albrecht liefert Einblick in dunkle Abgründe, die der Verteidiger bei Prozessbeginn angekündigt hatte: wie es vermutlich gewesen ist, was die Motivation war, die Olaf H. trieb. Letzte Gewissheit konnte Albrecht den Eltern nicht verschaffen, weil nach fünf Monaten im Wald alle Tatspuren an Mircos Leiche vernichtet waren, die die Analyse bestätigen könnten.

Olaf H. (45) ist nicht pädophil, sondern sehr wahrscheinlich ein pervers-sadistischer Täter, führt der Gutachter aus. Der Familienvater ist wohl einer jener sehr seltenen Männer, die wie Jäger umherstreifen, nach einem geeigneten Opfer Ausschau halten und dabei ihre Fantasien „hochschaukeln“. 200 Kilometer soll Olaf H. an jenem 3. September 2010 mit seinem Dienstwagen zurückgelegt haben, bevor er auf Mirco traf.

Kurz bevor der Psychiater seinen Bericht erstattet, hatte der Vorsitzende Richter einen letzten eindringlichen Appell an den Angeklagten gerichtet, sich zu offenbaren und mit den falschen Tatversionen aufzuräumen. Doch der schüttelt wieder nur den Kopf und sagt halblaut: „Nö“.

Das passt ins Profil des Psychiaters. Ihre dunklen sadistisch-perversen Fantasien halten diese Täter ihrem Umfeld verborgen. Sie leben sozial völlig unauffällig, wollen niemandem zeigen, wozu sie fähig sind und was sie dabei antreibt.

Auch wenn Olaf H. Mirco sexuell missbraucht haben sollte, sei er nicht pädophil, führt der Sachverständige aus. Solchen Tätern gehe es um die totale Unterwerfung ihres Opfers. Vermutlich sei Mirco bei einem sadistisch-perversen Exzess getötet worden.

An Mircos Polohemd klebte Blut, aber ein Messer will Olaf H. seinem Teilgeständnis zufolge nicht benutzt haben.

Der Sachverständige will keine Prognose stellen, was die Wiederholungsgefahr angeht, sagt aber: „Wenn er ein Sadist ist, wäre er sehr gefährlich.“