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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Ein König verschwindet ohne ein Wort

08.01.2019

Kuala Lumpur Der König von Malaysia gehört gewiss nicht zu den prominentesten Gesichtern der internationalen Monarchien. Selbst treue Leser der einschlägigen Blätter werden von Sultan Muhammad V. bislang kaum etwas gehört haben. Abgesehen davon, dass das 32-Millionen-Einwohner-Land in Südostasien ohnehin nur selten Schlagzeilen macht: Auch der persönliche Glamour-Faktor des 49-Jährigen hielt sich bislang in Grenzen. Malaysias Monarch ist ein Mann mit mächtigem Bart am Kinn und oft arg grimmigem Blick.

Jetzt allerdings hat es Muhammad V. doch zu internationaler Aufmerksamkeit gebracht. Indem er tat, was sich kein Vorgänger je erlaubt hatte. Er dankte einfach ab. Mit einer schlichten Mitteilung aus dem Palast ließ der 15. Yang di-Pertuan Agong (auf Deutsch: „Der, der zum Herrscher gemacht wurde“) die Untertanen wissen, dass er in seinen Heimatstaat Kelantan zurückkehren werde, an der Grenze zu Thailand. Dessen Sultan will er bleiben.

Ansonsten: keine Ansprache, keine weiteren Erklärungen, nichts. Auch der Palast in der Hauptstadt Kuala Lumpur schwieg sich aus – abgesehen von der Ergänzung, dass der Abschied mit sofortiger Wirkung gelte. Jetzt rätselt das ganze Land über das Warum, ob aus Gründen der Politik oder der Liebe wegen.

Vermutet wird, dass die Entscheidung mit seiner Hochzeit zusammenhängt: Muhammad V. soll Ende November „Miss Moskau 2015“ geheiratet haben, eine Frau namens Oksana Woewodina, mit 25 Jahren halb so alt wie er. Angeblich lernten sich die beiden auf einer Uhrenmesse kennen. Von der Zeremonie in Moskau gibt es auch Fotos, mit der ehemaligen Schönheitskönigin in pompösem Brautkleid. Woewodina soll zuvor schon zum Islam übergetreten sein. Offiziell bestätigt wurde die Vermählung bislang nicht.

Malaysia, ein mehrheitlich muslimisches Land, ist die einzige Monarchie der Welt mit einem Rotationssystem: Alle fünf Jahre wählen die Oberhäupter der neun (von insgesamt 13) Bundesstaaten, in denen es eine Erbmonarchie gibt, aus ihrer Mitte einen neuen König. Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1957 gab es 15 Herrscher. Nur ein einziger regierte so lange, dass er zweimal auf den Thron kam. Malaysias Könige haben vor allem repräsentative Funktion. Die eigentliche Macht liegt beim Regierungschef.

Malaysias Verfassung verbietet keineswegs, dass der König eine Ausländerin heiratet. Nach Informationen der renommierten Zeitung „Straits Times“ aus Singapur war anderen Sultanen jedoch „unwohl“ bei dem Gedanken, dass nun eine Ex-„Miss Moskau“ gekrönt werden könnte. Von seiner ersten Frau, einer Thailänderin aus dem dortigen Königshaus, hatte sich Muhammad V. 2008 scheiden lassen. Kinder hat der Oxford-Absolvent, Geländewagenfahrer und Jäger keine.

Auf dem Königsthron saß der Sultan von Kelantan erst seit zwei Jahren, und er hätte bis Ende 2021 bleiben dürfen. Wichtigster Moment seiner Amtszeit war im Mai 2018. Nach dem überraschenden Wahlsieg der Opposition machte er damals Ex-Regierungschef Mahathir Mohamed wieder zum Premierminister, obwohl dieser die Politik eigentlich schon längst verlassen hatte. Kurz darauf begnadigte der Monarch auch den inhaftierten Ex-Oppositionsführer Anwar Ibrahim.

Trotzdem soll es zwischen dem 93 Jahre alten Mahathir – derzeit klar der stärkste Mann des Landes – und dem König geknirscht haben. Erst vergangene Woche veröffentlichte der Regierungschef einen Artikel, wonach in Malaysia vor dem Gesetz „ohne Ausnahme“ jeder gleich sei. Nach dem Rücktritt wird spekuliert, dass dies möglicherweise auf den König gezielt war. Mahathir äußerte sich dazu nicht.

In jüngster Zeit hatte es mehrfach Gerüchte über eine Abdankung gegeben. Muhammad V. befand sich bereits seit Anfang November in einer Auszeit aus nicht näher bezeichneten gesundheitlichen Gründen. Als Vertretung nahm seither der Sultan des Bundesstaats Perak, Nazrin, die Amtsgeschäfte war.

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