• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama

Ermittlungen: Kunstfund: „Wahnsinnige Dimension“

06.11.2013

Augsburg Beim Anblick des Sensationsfunds durchfuhr Kunsthistorikerin Meike Hoffmann ein „Glücksgefühl“. Seit anderthalb Jahren ist die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsstelle für „Entartete Kunst“ der Freien Universität Berlin mit der Zuordnung des Kunstschatzes betraut – im Geheimen. Sie habe stichprobenartig damit begonnen, die Werke zuzuordnen, sagt Hoffmann in Augsburg am Dienstag. Wie lange die Recherche dauert, wisse sie nicht. Aber: „Viele Werke werden eventuell nicht eindeutig identifizierbar sein.“

Einige der Werke aus der bisher unbekannten Sammlung von Cornelius Gurlitt sind für die Kunstgeschichte von unschätzbarem Wert: Das Selbstporträt von Otto Dix etwa, das den Avantgarde-Maler mit Zigarre zeigt. Bisher völlig unbekannt, erklärt Hoffmann. Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle von Picasso, Chagall, Nolde, Spitzweg, Liebermann und Kirchner sind darunter – alle gut erhalten.

Aber es geht um mehr als um kunsthistorische Schätze. Es geht vor allem um die Fragen, welche Stücke von den Nazis geraubt wurden, wem sie gehören – und wie die Behörden mit dem sensiblen Thema der Restitution von Nazi-Raubkunst umgehen.

Zufällige Spur

Bei einer Zivilkontrolle auf einer Zugfahrt zwischen Zürich und München im Jahr 2010 waren Zollfahnder auf Gurlitt aufmerksam geworden. Der damals 76-Jährige hatte 9000 Euro dabei – 10 000 Euro Bares sind auf dem Weg über die Grenze erlaubt. Der Verdacht: Ein Steuerdelikt. Ihre Ermittlungen mündeten in der Durchsuchung seiner Münchner Wohnung. 1285 ungerahmte und 121 gerahmte Bilder beschlagnahmten die Beamten dort im Frühjahr 2012, wie Reinhard Nemetz, Leitender Oberstaatsanwalt in Augsburg, am Dienstag erklärte. Den geschätzten Wert der Sammlung nannte Nemetz nicht. Auch wo die Objekte lagern, bleibe aus Sicherheitsgründen geheim. Seit die „wahnsinnige Dimension“ bekannt ist, hätten die Vorkehrungen schon deutlich verstärkt werden müssen.

Die strikte Geheimhaltung stößt auch im Ausland auf Kritik, zumal es sich bei vielen Werken um Nazi-Raubkunst handeln dürfte, deren ehemalige Eigentümer seit Jahrzehnten auf der Suche nach ihren verlorenen Schätzen sind.

Die Ermittler konzentrieren sich vor allem auf die Frage, ob Gurlitt Steuern hinterzogen und Geld unterschlagen hat. Aber die viel größere Frage bleibt, wem die Kunstwerke einst gehört haben und ob diejenigen sie unter dem Druck der Nazis verloren haben. Damit hängt eng zusammen, ob sich Gurlitt diesbezüglich strafbar gemacht hat. Viele Kunstgegenstände bezeichnet er als vernichtet oder veräußert, so Nemetz.

Suche nach Besitzern

Wer glaubt, Anspruch auf ein Werk zu haben, kann sich bei den Ermittlern melden. Das haben schon einige getan, darunter auch die Erben Alfred Flechtheims, die Werke aus den unter NS-Druck aufgelösten Beständen des jüdischen Kunsthändlers in der nun entdeckten Sammlung Gurlitt vermuten. Wo Gurlitt selbst derzeit ist, ist unbekannt. „Ich weiß nicht, wo er sich aufhält, weil uns diese Frage gar nicht beschäftigt“, sagte Nemetz am Dienstag. „Das bedeutet nicht, dass er unauffindbar ist.“

Die Sammlung umfasst viele Werke, die von den Nazis als „entartet“ diffamiert und beschlagnahmt wurden. Aber es gibt auch Objekte, die Gurlitts Vater, Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, nachweislich erst nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb. Wegen der komplizierten Rechtslage, die sich über einen Zeitraum von 70 Jahren erstreckt, erwägt die Staatsanwaltschaft, Gurlitt die Beweislast dafür aufzubrummen, dass er rechtmäßiger Eigentümer der Werke ist.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.