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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Ex-Chef des Weißen Rings vor Gericht

21.06.2019

Lübeck Großer Andrang am Lübecker Amtsgericht: Dort hat am Donnerstag der Prozess gegen Detlef H., den früheren Leiter der Lübecker Außenstelle der Opferschutzorganisation Weißer Ring, begonnen. Dem heute 74-Jährigen wird eine mehr als drei Jahre zurückliegende exhibitionistische Handlung vorgeworfen. Im April 2016 soll H. während eines Beratungsgesprächs mit einer Frau sein Geschlechtsteil entblößt haben, heißt es in der Anklage, „Das stimmt nicht. Ich kann mir nicht erklären, wie sie zu diesen Vorwürfen kommt“, sagte der Angeklagte.

Doch die heute 41-Jährige bleibt dabei. „Er stand plötzlich links neben meinem Stuhl, öffnete seine Hose und holte seinen Penis heraus“, sagte sie. Er habe sie aufgefordert, sich selbst zu entblößen und ihn zu berühren, sagte die Zeugin, die in dem Prozess auch Nebenklägerin ist. Sie sei einfach schockiert gewesen, sagte die mehrfache Mutter. Anzeige habe sie nicht erstattet, weil sie keine Zeugen gehabt habe. Ein Sachverständiger wurde beauftragt, ein Glaubwürdigkeitsgutachten zu erstellen.

Detlef H., ein pensionierter Polizist, gab sich gelassen. Im Fall der damals mit dem vierten Kind schwangeren Nebenklägerin habe er ihr beim ersten Kontakt eine Soforthilfe in Höhe von 250 Euro sowie Serviceschecks für anwaltliche und psychologische Hilfe gegeben. Auch bei der Suche nach einer neuen Wohnung habe er geholfen.

Die Frau war nach eigenen Angaben Anfang April von ihrem Mann verlassen worden, der Geld und EC-Karte mitgenommen habe. Zudem habe sie mit ihrem Arbeitgeber im Clinch gelegen, und ihr sei die Wohnung gekündigt worden. „Mir ging es damals ziemlich schlecht“, sagte sie am Donnerstag.

Umso mehr habe es sie geärgert, dass H. ihr vorgeschlagen habe, sie könne doch für einen Escort-Service in Hamburg arbeiten. Das habe sie zurückgewiesen. Nach der Erinnerung von H. kam die Idee mit dem Escort-Service allerdings von der Nebenklägerin selbst.

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft im September 2018 Anklage gegen H. in insgesamt vier Fällen, unter anderem wegen Körperverletzung und sexueller Nötigung, erhoben. Doch nur die Anklage wegen der exhibitionistischen Handlung wurde zur Verhandlung zugelassen, da in den übrigen drei Fällen „kein hinreichender Tatverdacht besteht“.

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