LYON - Vier Tage lang war der Millionendieb von Lyon der Held der Internetgemeinde. Doch die französische Polizei hat den Verbrecher entzaubert. Am Montag teilte sie mit, dass sie bereits am Sonnabend 9,1 Millionen der 11,6 Millionen Euro aufgespürt habe, die der 39-jährige Geldtransporteur Toni M. aus seinem gepanzerten Fahrzeug gestohlen hatte. Das Geld lag in einem Leihwagen, den M. in einer angemieteten Garage abgestellt hatte.
Jetzt versucht die Polizei, Licht in das perfekt organisierte Doppelleben des Millionendiebs zu bringen. Zehn Jahre lang hatte Toni M. Nachbarn und Kollegen getäuscht. Er fuhr mit dem Fahrrad zur Arbeit und klagte über seinen Hungerlohn. In seinem Wohnviertel fuhr er nur in einem alten Peugeot 406 herum. Mehr war nicht drin bei 1700 Euro Gehalt. Toni sei bescheiden und „überhaupt kein Spieler“, sagt seine Ex-Frau.
Was keiner wusste: Er besaß einen Ferrari, und auf einem Dutzend Bankkonten lagen 100 000 Euro bereit. Denn in seinem zweiten Leben war Toni Unternehmer. Er handelte mit Luxusautos und war Miteigner einer Immobiliengesellschaft. Die Geschäfte machte er zumeist per Internet und Telefon.
Schließlich meldete er den Ferrari als gestohlen und plante seinen großen Coup: den ersten Diebstahl eines Geldtransporters durch seinen Fahrer in Frankreich. Vergangenen Donnerstag räumte Toni M. seine Konten, säuberte seine Wohnung und verschwand spurlos.
Das scheinbar perfekte Verbrechen stieß bei vielen Franzosen auf Bewunderung. „Genial und ohne Gewalt, Hut ab“, schreibt ein Fan in einem Internetforum. „He Toni, hast Du einen Platz in Deinem Transporter?“, fragt ein anderer.
Doch der Wirbel ist nun erst einmal vorbei. Ohne das „ganz große Geld“ wird es Toni M. schwerer haben, sich im Ausland zur Ruhe zu setzen. Und die Fahnder arbeiten bisher erfolgreicher als erwartet. Falls er gefasst wird, riskiert Toni indes nicht allzu viel. Weil er keine Gewalt angewendet hat, drohen ihm maximal drei Jahre Haft wegen schweren Diebstahls.
