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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Ermittlungen Gegen Sexualstraftäter: Auf Spurensuche im Fall der verschwundenen „Maddie“

05.06.2020

Wiesbaden Die Staatsanwaltschaft Braunschweig geht davon aus, dass die vor rund 13 Jahren in Portugal verschwundene dreijährige Madeleine „Maddie“ McCann tot ist. Die Ermittlungen gegen einen 43-jährigen Deutschen würden wegen Mordverdachts geführt. „Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist“, sagte der Sprecher der Behörde, Hans Christian Wolters, am Donnerstag vor Journalisten in Braunschweig. Die Staatsanwaltschaft ist mit den Ermittlungen befasst, weil der Beschuldigte vor seinem Auslandsaufenthalt seinen letzten Wohnsitz im hiesigen Bezirk hatte.

Der Beschuldigte ist vorbestraft

Beim Beschuldigten handelt es sich um einen mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter. Laut Gerichtsunterlagen ist der Mann mehrfach zu Jugend-, Geld-, Bewährungs- oder Freiheitsstrafen verurteilt worden, zweimal wegen sexuellen Kindesmissbrauchs. Zur Zeit verbüßt er in Kiel eine alte Haftstrafe ab. 2011 wurde er wegen Drogenhandels zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt. Wegen Vergewaltigungsvorwürfen ist parallel gegen den 43-Jährigen Untersuchungshaft angeordnet worden. Zudem verurteilte das Landgericht Braunschweig den Mann im Dezember 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft. Er soll 2005 in Praia da Luz eine 72 Jahre alte US-Amerikanerin in deren Haus überfallen und vergewaltigt haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Aufmerksam wurden die Ermittler auf ihn 2013 durch einen Hinweis nach einer Sendung von „Aktenzeichen XY... ungelöst“. 2017 gab es einen weiteren Hinweis. Das reichte aber noch nicht für weitere Ermittlungen oder eine Festnahme. In Bezug zu dem Verschwinden von „Maddie“ soll der Verdächtige am 3. Mai 2007 zu „tatrelevanter“ Zeit in Praia da Luz mit dem Handy telefoniert haben. Ebenfalls soll der 43-Jährige in Portugal zwei auffälligere Autos gefahren haben, einen VW-Bus sowie einen Jaguar.

Keine Stellungnahme vom Verdächtigen

Es bleibt allerdings weiterhin unklar, warum der 43-Jährige unter Mordverdacht steht. Die Ermittler haben sich bislang nicht zu den möglichen Indizien gegen den Mann geäußert. Im Weiteren ist nicht bekannt, was der Verdächtige zu den Vorwürfen sagt, die Verteidiger haben eine Stellungnahme vorerst abgelehnt. Das Motiv ist demnach ebenfalls unklar. Möglich sei eine sexuelle Motivation oder dass nach einem zunächst geplanten Einbruch spontan auf ein Sexualdelikt umgeschwenkt wurde.

Zur Tat ist unklar, wie diese verübt worden sein soll.Das sei Gegenstand der aktuellen Ermittlungen, sagte ein Beamter des Bundeskriminalamtes (BKA) am Mittwoch bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Das Kind oder eine Leiche sind bis heute nicht gefunden worden.

Die Staatsanwaltschaft Stendal sucht derweil nach möglichen Verbindungen zum Fall der 2015 in Sachsen-Anhalt verschwundenen fünfjährigen Inga. Geprüft wird demnach, ob es Anhaltspunkte für Zusammenhänge gibt und ob sich daraus ein Anfangsverdacht gegen den 43-Jährigen ergibt.

Beschuldigter lebte in der Nähe

Das damals dreijährige Mädchen war am 3. Mai 2007 aus einer Appartementanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden. Die Eltern waren zu der Zeit in einem nahe gelegenen Restaurant essen. Das ungeklärte Schicksal des Mädchens hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Ermittler waren von einer Entführung ausgegangen. Zeitweise standen auch die Eltern selbst unter Verdacht. Der Fall war am Mittwochabend wie schon früher wieder Thema in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“, in der um sachdienliche Hinweise gebeten wurde.

Der nun Beschuldigte habe zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve gelebt, unter anderem für einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. „Nach hier vorliegenden Erkenntnissen ging er in dieser Zeit im Raum Lagos mehreren Gelegenheitsjobs, unter anderem in der Gastronomie, nach“, teilte das BKA mit. Zudem beging er im Raum Lagos Einbruchdiebstähle in Hotelanlagen sowie Ferienwohnungen und verkaufte Drogen.

Die Staatsanwaltschaft und das BKA bittet um Mithilfe: Sehen Sie hier einen Fahndungsaufruf des BKA

Wie Scotland Yard am Mittwochabend mitteilte, trug der Mann zur Tatzeit kurzes, blondes Haar und ist etwa 1,80 Meter groß. Besonderes Augenmerk lenkten die britischen Ermittler auf zwei Fahrzeuge und zwei Telefonnummern, die der Verdächtige benutzt haben soll. Es geht um einen Caravan vom Typ VW T3 Westfalia mit portugiesischem Nummernschild, in dem der Mann zeitweise gewohnt haben soll, und einen Jaguar, Model XJR 6, mit einem deutschen Kennzeichen. Am Tag nach Maddies Verschwinden sei der Jaguar auf einen neuen Halter umgemeldet worden.

An dem Abend, als Maddie verschwand, soll der Verdächtige zudem einen Anruf erhalten haben unter der Nummer +351 912 730 680 mit portugiesischer Ländervorwahl. Der Anruf wurde in der Region um Praia de Luz entgegengenommen. „Ermittler glauben, dass die Person, die diesen Anruf getätigt hat, ein höchst wichtiger Zeuge ist, und rufen sie dazu auf, in Kontakt zu treten“, hieß es in der Scotland-Yard-Mitteilung. Die Nummer des Anrufers laute +351 916 510 683.

Vor drei Jahren erste Hinweise auf einen Deutschen

Die Erkenntnisse seien das Ergebnis einer jahrelangen Zusammenarbeit, der britischen, deutschen und portugiesischen Polizei, hieß es weiter. „Nach dem 10. Jahrestag erhielt die Metropolitan Police Informationen über einen deutschen Mann, der sich bekanntermaßen in und um Praia de Luz aufhielt. Wir haben mit Kollegen in Deutschland und Portugal zusammengearbeitet und dieser Mann ist ein Verdächtiger im Verschwinden von Madeleine“, sagte Detective Chief Inspector Mark Cranwell der Mitteilung zufolge. Scotland Yards betonte jedoch, dass es sich weiterhin um einen Vermisstenfall handle.

Bereits nach einer Sendung von „Aktenzeichen XY... ungelöst“ aus dem Jahr 2013 seien Hinweise auf den Deutschen eingegangen, sagte Christian Hoppe vom BKA am Mittwochabend in der ZDF-Sendung. Auch nach einem Bericht zehn Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens habe es Hinweise gegeben. Damals reichten die Informationen aber nicht für Ermittlungen oder eine Festnahme aus, wie Hoppe berichtete. Es gab demnach viele Indizien, der entscheidende Beweis fehle aber noch. Die Ermittlungen führten zu der Annahme, dass das Mädchen einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen ist.

Eltern geben niemals die Hoffnung auf

Madeleines Eltern hatten sich mit teils emotionalen Aufrufen immer wieder an die Öffentlichkeit gewandt, um Informationen über den Verbleib ihrer Tochter zu erhalten. „Alles, was wir je wollten, ist sie zu finden, die Wahrheit ans Licht zu bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen“, heißt es in einem Statement der Eltern in der Scotland-Yard-Mitteilung. „Wir werden niemals die Hoffnung aufgeben, Madeleine lebend zu finden, aber was auch immer herauskommen sollte, wir müssen es wissen, weil wir Frieden finden müssen.“

Sie kaufe noch immer Geschenke für ihre Tochter an Weihnachten und zum Geburtstag, hatte Mutter Kate McCann in einem BBC-Interview zum 10. Jahrestag von Maddies Verschwindens 2017 gesagt.

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