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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Spanier schwören auf gesunde Kost

15.03.2019

Madrid Deutsches Essen? Pachi rümpft die Nase. „Zu fett, zu vitaminarm! Und darf ich ehrlich sein? Oft auch ungenießbar“, sagt die 70 Jahre alte Madrilenin. Das Essen sei vor Jahren einziger Negativpunkt eines einmonatigen Aufenthaltes bei Freunden in Berlin und Hamburg gewesen, erzählt die frühere Journalistin. „Wir Spanier essen und leben unterdessen so gesund und ausgeglichen wie in kaum einem anderen Teil der Welt.“ Stimmt das? Eine Studie des US-Finanzunternehmens Bloomberg gibt der Frau, die jugendlich wirkt, Powerwalking macht und deren Vater erst jüngst mit 94 starb, Recht. Danach lebt es sich derzeit nirgendwo so gesund wie in Spanien.

„Vielleicht ist es irgendwas im Gazpacho oder in der Paella, aber Spanien hat gerade Italien als gesündestes Land der Welt überholt“, heißt es in dem Bloomberg-Bericht augenzwinkernd. Tatsächlich hat das Land einen Sprung gemacht: Bei der letzten Erhebung 2017 lag es noch auf dem sechsten Rang. Deutschland belegt nur Platz 23. Für die Auswertung wurden für 169 Nationen die Lebensgewohnheiten untersucht: Neben Daten für Übergewicht, Zigarettenkonsum, Gesundheitssystem und Lebenserwartung wurde auch die Ernährungsweise verglichen. Und da haben die Spanier – ebenso wie die auf Rang 2 liegenden Italiener – dank ihrer „mediterranen Diät“ scheinbar das Geheimrezept für ein langes Leben entdeckt. Wie etwa durch den Verzehr des Gazpacho. Die kalte Gemüsesuppe, eines der Meisterwerke iberischer Kochkunst, wird unter anderem aus Tomaten, Gurken, Paprika, Zwiebeln und Knoblauch zusammengemixt – und ist nicht nur reich an Vitamin C, sondern soll auch entzündungshemmend wirken.

Die in Spanien seit 1996 existierende Stiftung Fundación Dieta Mediterranea, die unter anderem auch den gemäßigten Konsum von Rotwein empfiehlt, sieht vor allem Olivenöl als den Hauptdarsteller der Mittelmeerdiät schlechthin. Ein Stiftungsexperte versichert, dass fünf Suppenlöffel Olivenöl pro Tag das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen minderten.

Für die Spanier handelt es sich allerdings um keine „echte Diät, die man sich aufzwingt, weil man abnehmen oder gesünder leben möchte“, wie Pachi betont. „Wir haben unser Essen sozusagen im Blut, in den Genen, es gehört zu unseren Traditionen.“

„In Spanien werden deutlich mehr Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte verzehrt als etwa in Deutschland. Und als Fettquelle steht Pflanzenöl im Vordergrund“, bringt es Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung auf den Punkt. Es gebe gute Belege, dass eine pflanzenbetonte Kost günstig sei. Die Mittelmeerdiät wirke sich vor allem bei der Vermeidung sogenannter kardiometabolischer Krankheiten positiv aus: „Dies umfasst sowohl den Typ-2-Diabetes als auch Herz-Kreislauferkrankungen“, sagt Schulze.

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