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NWZonline.de Nachrichten Panorama

VERBRECHEN: Mädchen erstickte 1981 in Kiste: Neue Spur zu altem Verdächtigen

31.05.2008

AUGSBURG Ein altes Tonbandgerät hat der Kriminalpolizei nach 27 Jahren Ermittlungen die entscheidende Spur geliefert. Von diesem vorsintflutlichen Modell sollen 1981 die neun Erpresseranrufe an die Eltern der zehnjährigen Ursula Herrmann abgespielt worden sein. Das Mädchen war zu diesem Zeitpunkt bereits tot.

Der mutmaßliche Täter, ein heute 58-Jähriger, wurde in Kappeln (Schleswig-Holstein) festgenommen. Der Haftbefehl lautet auf erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge. Der Mann soll Ursula am 15. September 1981 entführt und in einer Holzkiste im Wald vergraben haben. Die Lehrertochter erstickte qualvoll in der Kiste, weil feuchtes Laub die Luftzufuhr verstopft hatte.

Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamtes filterten mit neuen Methoden technische Besonderheiten des Tonbandgerätes heraus, die auch auf den mitgeschnittenen Telefonanrufen bei der Opferfamilie zu finden sind. „Das war das i-Tüpfelchen“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz am Freitag in Ausburg. Ein Nachbau der Kiste mit einem halben Quadratmeter Fläche steht als Modell im Presseraum, daran ist Ursulas rotes Kinderfahrrad gelehnt. In dem Kasten sollte die Zehnjährige bis zur Übergabe des Lösegeldes gefangen gehalten werden. Das Gefängnis war beleuchtet, mit Getränken und Nahrung bestückt. Es gab einen Eimer für die Notdurft, ein Radio und Bücher.

Der Täter schrieb nach der Entführung zwei Briefe und forderte zwei Millionen DM (rund eine Million Euro). Seine Forderungen unterstrich er durch neun Anrufe. Zu hören war dabei nur die damalige Erkennungsmelodie des Radiosenders Bayern 3.

Die Anrufe sind dem Mann zum Verhängnis geworden, nachdem das Tonband bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt wurde. Bereits Anfang 1982 war er festgenommen, wegen fehlender Beweise aber wieder freigelassen worden. Der Mann konnte für die Tatzeit drei Alibis vorweisen. Diese waren mit Freunden abgesprochen und falsch. Gegen zwei Alibi-Geber wird ermittelt, ein dritter ist bereits gestorben.

Noch ein Toter spielt bei dem Fall eine Rolle. Er soll 1982 erklärt haben, er habe auf Anweisung des jetzt Verhafteten die Grube gegraben. Später widerrief er seine Angaben. Der Zeuge starb 1996.

Warum wurde der jetzt Verdächtige nicht früher festgesetzt? „Er stand 27 Jahre unter Verdacht, ohne dass wir zwingende Beweise hatten“, sagt Nemetz. Der Staatsanwalt: „Wir haben kein Geständnis, keine DNA-Spur, aber eine komplexe Beweislage durch Indizien für einen dringenden Tatverdacht.“

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