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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Guter Krimi macht keinen guten Verbrecher

22.02.2018

Mainz /Essen Eine Gruppe Jugendlicher sieht einen Film mit dem Haudrauf-Held Bud Spencer, geht raus auf die Straße und schlägt einen Mann zu Boden. Das Opfer stirbt. Die Jugendlichen ziehen ihre Kleidung aus und verbrennen sie – um ihre Spuren zu verwischen. „Die Jungs haben daran gedacht: Wie kann man uns drankriegen?“, erinnert sich der Soziologe und Kommunikationswissenschaftler Jo Reichertz. Die Ermittler hätten große Schwierigkeiten bei dem Fall gehabt. Nur aufgrund eines Geständnisses wurden die jungen Männer verurteilt.

Der Fall sei ein gutes Beispiel dafür, wie die Berichterstattung über reale oder fiktive Kriminalfälle die Gesellschaft beeinflusst, sagt Reichertz, der viele Jahre zu diesem Thema geforscht hat. „Diese Jugendlichen haben unüberlegt gehandelt, hysterisch, verschreckt, irrational. Aber trotzdem griffen sie auf Wissen zurück, das aus TV-Serien kommt, das sie im Internet erworben haben oder das ihnen jemand erzählt hat.“ Sie hätten gewusst, dass die DNA des Opfers auf ihrer Kleidung sie hätte überführen können.

Dass Fernsehserien mit kriminalistischem Inhalt das Verhalten von Verbrechern prägen: Forscher nennen diese Wirkung CSI-Effekt. Serien wie „CSI: Den Tätern auf der Spur“ haben ihren Fokus auf forensischen Beweisen, weniger auf Zeugenbefragungen und der Kombinationsgabe der Ermittler. Laut Reichertz ist es dabei nicht so wichtig, ob die Jugendlichen selbst solche Serien konsumiert haben. „‚CSI‘ speist in den gesellschaftlichen Diskurs Wissen ein, etwa dass man bei einer Tat Handschuhe tragen sollte.“

Auch eine neue Studie sieht keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von forensischen Serien und der Fähigkeit, Verbrechen zu vertuschen. Psychologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) um Andreas Baranowski ließen Testpersonen in einer Reihe von Experimenten unter anderem einen Laptop stehlen und einen Mordschauplatz reinigen. Es ging darum, ob die Probanden Finger- und Fußabdrücke zurücklassen und sich von einer Überwachungskamera filmen lassen. Das Ergebnis: Die Serien-Fans waren nicht die erfolgreicheren Verbrecher.

Auch beim Wissenstest schnitten sie nicht besser ab. Die kriminalistischen Serien sorgten in der Bevölkerung auf jeden Fall für eine große Erwartungshaltung, sagt Carina Jasmin Englert, die sich für ihre Promotion an der Universität Duisburg-Essen mit dem CSI-Effekt beschäftigte. Schon wenn bei jemandem im Keller eingebrochen und eine Bohrmaschine entwendet würde, poche der Bestohlene auf DNA-Analysen und Untersuchungen mit Spezialgeräten.

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