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NWZonline.de Nachrichten Panorama

„Marzipan-Erpressers“ festgenommen

20.09.2016

Kiel Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hat den mutmaßlichen Marzipan-Erpresser von Kiel in seiner Wohnung festgenommen. Es handele sich um einen 38-Jährigen, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts am Montag. Der Erpresser hatte am vergangenen Dienstag zwei Schachteln vergiftete Marzipanherzen an einer Schule ausgelegt - zunächst war nur von einer Schachtel die Rede gewesen. Per E-Mail gingen am Freitag Bombendrohungen gegen drei weitere Schulen ein, um von der Handelskette Coop drei Millionen Euro in der digitalen Währung Bitcoins zu erpressen.

Die Marzipanherzen seien mit einem natürlichen Insektenmittel manipuliert worden, sagte der Leiter der Kripo Kiel, Rolfpeter Ott, am Montagabend bei einer Pressekonferenz. Der Stoff wirke gegen Insekten, sei beim Menschen aber nicht tödlich. Der bereits zuvor polizei- und justizbekannte Täter sollte nach Angaben von Staatsanwalt Michael Bimler am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Offen sei noch, ob Haftbefehl beantragt werde oder die Unterbringung in der Psychiatrie, sagte Bimler. Es liefen Untersuchungen, ob der Mann psychisch krank sei.

„Es war kein schlechter Krimi, sondern ein guter Krimi, weil am Ende die Gerechtigkeit gesiegt hat“, sagte der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt. Die Polizei sei ein gewisses Risiko eingegangen, da der Täter bereits seit dem 16. September bekannt gewesen sei. Man habe den Verkaufsweg der Marzipanherzen zurückverfolgen können und anhand von Supermarkt-Videoaufnahmen den Täter identifiziert. Um aber möglichst gerichtsfeste Beweise zu haben, habe man den Mann zunächst noch weiter observiert.

Nachdem der mutmaßliche Erpresser am Sonntagabend in Kiel eine Dose mit erneut vergifteten Süßigkeiten an einer Bushaltestelle nahe einer Kieler Grundschule ausgelegt hatte, ordnete Gutt für Dienstagfrüh 04.01 Uhr den nur wenige Minuten dauernden Zugriff durch Spezialkräfte an: „Der Täter hat keine Gegenwehr geleistet, aber er konnte sie auch nicht leisten.“

Am 8. September war bei Coop die erste Erpresser-Mail eingegangen. Bis zur Festnahme habe der mutmaßliche Täter etwa 20 Droh-Mails verschickt. Die Bombendrohungen hätten sich glücklicherweise nicht erfüllt, sagte Gutt. Es sei für Erstklässler, die erst wenige Tage zur Schule gingen, sicherlich ein schwer zu verkraftendes Bild gewesen, die Männer vom Kampfmittelräumdienst in ihrer Montur zu sehen. Am Freitag hatte die Polizei nach den erneuten Drohungen drei Schulen in Kiel gesperrt und mit Spürhunden durchsuchen lassen. Die Ermittlern fanden nichts Gefährliches.

Niemand kam durch die Marzipanherzen zu Schaden. Die Polizei warnte am Montag aber weiter davor, gefundene Lebensmittel zu essen. Die Ermittlungen liefen noch. Möglicherweise seien nicht alle vergifteten Dinge gefunden worden.

Der mutmaßliche Erpresser soll laut Polizei ein Einzeltäter gewesen sein. Bei dem Einsatz in der Innenstadt sei neben dem Festgenommenen eine zweite Person angetroffen worden, die aber mit dem Verbrechen nach bisherigem Ermittlungsstand nichts zu tun habe. Außerdem sei in Kiel eine zweite Wohnung, die dem mutmaßlichen Täter zugeordnet werde, durchsucht worden - ohne jemanden anzutreffen.

Nach der Festnahme konnte der Unterricht an den Kieler Schulen am Montag wie geplant stattfinden. Die Stadt Kiel, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Coop gratulierten der Polizei zum Fahndungserfolg und zeigten sich erleichtert. „Das war richtig gute Ermittlungsarbeit“, schrieb Kämpfer bei Facebook.

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