MELLE - Der zu Sozialstunden in einen Kindergarten geschickte pädophile Straftäter hat vor einigen Jahren auch in einer Schule gemeinnützige Arbeit geleistet. „Er war nicht lange hier“, sagte der Rektor der Schule in Melle bei Osnabrück. „Zudem ist er bei uns in keiner Weise negativ aufgefallen.“

Die Behörden hatten den heute 41-Jährigen Anfang des Jahres aus Versehen zur Sozialarbeit in einen Meller Kindergarten geschickt. Dort soll er sich erneut Kindern unsittlich genähert haben. Dafür wird ihm am Dienstag der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft bedauerte den Fehler einer Behördenmitarbeiterin. Die Frau sei aber weiter im Dienst, hieß es am Donnerstag. Das niedersächsische Justizministerium will indes über dienstrechtliche Konsequenzen beraten.

Landesjustizministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) wies Mutmaßungen zurück, der Fall sei eine Folge der hohen Arbeitsbelastung der Justiz. Es habe vielmehr zwischen der zuständigen Mitarbeiterin und anderen Beschäftigten interne Spannungen gegeben. Die Rechtshelferin habe einfach die Auszüge im Bundeszentralregister über den verurteilten Sexualtäter nicht angeschaut. Der Pädophile habe sich außerdem selbst ein Empfehlungsschreiben des Kindergartens besorgt und sei damit zu der Sozialarbeiterin gegangen.

Dagegen erklärte die evangelische Kirchengemeinde St. Petri als Träger der Kita, es sei kein Empfehlungsschreiben ausgestellt worden.

Anfang 2007 hatte sich der 41-Jährige Arbeitslosengeld ergaunert und war zu 3000 Euro Strafe verurteilt worden. Da er nicht zahlen konnte, wurde die Strafe in 720 Stunden gemeinnützige Arbeit umgewandelt. Der Mann selbst schlug einen Kindergarten als Arbeitsort vor. Zunächst wurde er in einer Landesturnschule und im Bauhof eingesetzt. Nachdem ihm ein Arzt schweres Heben verboten hatte, schickte ihn die Staatsanwaltschaft in die Kita.