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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Menschen wünschen sich Helden mit Zivilcourage

03.12.2014

Offenbach Die große öffentliche Trauer im Fall Tugçe – für den Offenbacher Psychologen Werner Gross zeigt sie den starken Wunsch nach einer Heldin. „Jemand verhält sich so, wie es viele eben nicht tun“, diese Erkenntnis löse starke Emotionen aus, multipliziert durch die Verbreitung in den sozialen Netzwerken, sagte der Offenbacher Psychologe der Nachrichtenagentur dpa.

Der aufsehenerregende Fall begann ganz klein in einem Schnellrestaurant, einem Treffpunkt für junge Leute, spätnachts. Drinnen sollen junge Mädchen belästigt worden, die 22 Jahre alte Tugçe A. ihnen zu Hilfe gekommen sein. Draußen auf dem Parkplatz kommt es später zu Tätlichkeiten, Tugçe wird niedergeschlagen, stürzt, fällt ins Koma, aus dem sie nicht mehr aufwacht. An ihrem 23. Geburtstag werden die Maschinen abgeschaltet.

Immer wieder wird bewundernd von dem Mut und der Zivilcourage der jungen Frau gesprochen – auch wenn zunächst gar nicht klar ist, wie sich das Geschehen genau abgespielt hat. Die Ermittlungsbehörden schweigen. Umso stärker sind die öffentlichen Beileidsbekundungen. Vor allem in den sozialen Netzwerken ist der Tod Tugçes ein viel diskutiertes Thema.

Die öffentlich geweinten Tränen – für den Psychologen sind sie ein Ventil. „Wir sind alle voller Emotionen“, sagt Gross. In den Trauerbekundungen vieler Menschen, die Tugçe nie begegnet sind, sieht der Psychologe auch eine Kulturveränderung. Sei in der deutschen Tradition eigentlich eher stilles Gedenken üblich, stehe in anderen Kulturen öffentliches und sichtbares Trauern im Vordergrund.

In sozialen Netzwerken wie Facebook geht die Diskussion über Tugçes Handeln weiter. Viele Internetnutzer loben das couragierte Eintreten der jungen Frau. Einige kritisieren aber auch Tugçes Vorgehen. Sie habe ihren vermeintlichen Angreifer zuvor verbal provoziert, meinen einige aus einem Video der Tat, das seit Tagen im Internet kursiert, erkannt zu haben. Immer wieder wird auch zur „Lynchjustiz“ gegenüber dem vermeintlichen Täter in den Netzwerken aufgerufen.

Bundespräsident Joachim Gauck will auf Vorschlag von Ministerpräsident Bouffier prüfen, ob auch Tugçe A. für ihre Zivilcourage geehrt werden soll. Eine Petition dafür hat bis Dienstag rund 160 000 Unterstützer im Internet gefunden.

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