Montgomery - Das Szenario klingt völlig absurd: Ein Amokläufer zieht mit geladenem Sturmgewehr durch die Flure einer High School und schießt auf alles, was sich bewegt. Noch hat die Polizei den Täter nicht gestellt, Schüler und Lehrer bangen um ihr Leben. Doch als der Schütze die Tür zu einem Klassenzimmer öffnet, fliegt ihm plötzlich eine Dose Erbsen an den Kopf. Er wird ohnmächtig und bleibt reglos am Boden liegen, bis die Polizei die Situation unter Kontrolle bringt.
Was fast wie Slapstick klingt, soll an der Burns Middle School im US-Staat Alabama helfen, im Fall der Fälle Menschenleben zu retten. Eltern sollen ihren Kindern und Teenagern dort Konservendosen von normaler Größe mitgeben, damit sie vorbereitet sind, wenn es wirklich ernst werden sollte.
„Uns ist klar, dass es seltsam erscheint“, schreibt Schulleiterin Priscella Holley an die Eltern. Doch eine gezielt geworfene Dose Mais, Erbsen oder Bohnen könne Angreifer „auf dem falschen Fuß erwischen“ und sogar ausschalten.
„Die Dosen sind billig, schwer und lassen sich gut werfen“, sagt Kelli Hodge, Leiterin des Schulbezirks Chambers County,. „Den Schülern wird beigebracht, eine Reihe von Dingen zu werfen.“ Nicht Wurf-Übungen sind damit gemeint, sondern die Tatsache, dass geworfene Gegenstände letztes Mittel wehrloser Schüler seien, die den – vielleicht lebensrettenden – Unterschied machen könnten. „Es geht darum, so viel Verwirrung zu stiften wie möglich.“
Schulen und Colleges haben längst erkannt, dass sie sich selbst auf sogenannte „Active Shooter Incidents“ vorbereiten müssen. Denn in den USA sterben, laut offizieller Statistik jedes Jahr im Durchschnitt zwischen 14 und 34 Schüler bei Schießereien. Strengere Waffengesetze sind wegen des erbitterten Widerstands der mächtigen Waffenlobby und der Republikaner im Kongress noch immer nicht absehbar. Nur nach neuen Bluttaten kocht die Debatte im Land kurz wieder hoch.
