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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Mord an Promi-Arzt Gsell nach 12 Jahren aufgeklärt

11.12.2014

Nürnberg Zwei Räuber brechen am 5. Januar 2003 in die Villa des Nürnberger Promi-Chirurgen Franz Gsell ein. Maskiert und mit zwei Äxten bewaffnet fordern sie den Arzt auf, ihnen Geld zu geben. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, schlagen sie ihn mehrmals - auch mit einer Axt. Der gebrechliche 76-Jährige wird bei dem Überfall so schwer verletzt, dass er später stirbt. Fast zwölf Jahre danach sind nun zwei Männer für die Tat zur Rechenschaft gezogen worden.

Wegen besonders schweren Raubes mit Todesfolge müssen sie elf Jahre ins Gefängnis. Das Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth vom Mittwoch setzte damit einen vorläufigen Schlussstrich unter einen rätselhaften Fall und ein teilweise skurriles Verfahren.

Jahrelang tappten die Ermittler im Dunkeln. Immer wieder gab es neue Theorien, wie Gsell zu Tode gekommen sein könnte. Und schon vor dem Prozess geht einiges schief: Die 39 und 45 Jahre alten Männer werden geschnappt, müssen aber wieder laufen gelassen werden, weil das Verfahren zu lange dauert. Dann platzt ein Prozess, weil einem der Männer die Ladung nicht zugestellt werden kann.

Die Ermittler haben zunächst Gsells deutlich jüngere Witwe Tatjana und eine Autoschieberbande im Visier - wegen versuchten Versicherungsbetrugs mit einer Luxuskarosse. Doch man kann ihnen nicht nachweisen, etwas mit dem Tod Gsells zu tun zu haben. Erst 2010 kommt die Polizei einem der nun Verurteilten per Zufall auf die Schliche - mit Hilfe eines DNA-Treffers nach einem Einbruch in Dänemark. Ein Zeuge führt die Beamten dann zu dem zweiten Mann.

Auch im Prozess gibt es immer wieder Überraschungen: Tatjana Gsell und einer der Autoschieber widerrufen etwa ihre früheren Geständnisse zu dem Versicherungsbetrug. Sie habe zwar Kontakt zu den Autoschiebern gehabt, diesen aber abgebrochen, sagt die Witwe.

Auf das Urteil hat all das nur wenig Einfluss. „Wenn man es mit einer Tat zu tun hat, die schon fast zwölf Jahre zurückliegt - in einem Fall, in dem schon gegen andere ermittelt wurde, empfiehlt es sich, sich an die objektiven Beweismittel zu halten“, sagt der Vorsitzende Richter Gerhard Neuhof. „Und davon haben wir zumindest seit 2010 eine ganze Menge.“

Ein inzwischen toter Rädelsführer und die Angeklagten als Handlanger hätten den Raub genau geplant, sagt Neuhof. Die Männer nahmen Mützen mit Sehschlitzen zur Maskierung mit, außerdem ein Klebeband, um Gsell zu fesseln. „Um etwaigen Widerstand zu brechen, rüsteten sie sich mit jeweils einer Handaxt aus.“ Sie kletterten auf das Dach des Flachbaus und schlugen mit einer gusseisernen Vogelfigur die Terrassentür ein.

Gsell erleidet bei dem Überfall mehrere Rippenbrüche, eine Prellung und eine Platzwunde. Von den Räubern eingeschüchtert, öffnet er ihnen den Tresor. Sie stehlen Bargeld und Modeschmuck. Dann knebeln sie den Arzt mit Paketklebeband, werfen die Rolle in eine geöffnete Schublade. Die Mützen werfen sie in der Nähe weg. Später entledigen sie sich mehrerer Gegenstände sowie eines Paars Handschuhe. An den Mützen und Handschuhen finden die Ermittler DNA-Spuren der Männer. An den Klebebandresten finden sich Fasern der Handschuhe.

Der Richter stellt fest, die Autoschieber und Tatjana Gsell hätten mit dem Raubüberfall nichts zu tun. „Es gab mit Sicherheit die Planung einer Autoschieberei und entsprechende Gespräche.“ Wie weit diese Pläne bis zum Überfall auf Gsell gediehen seien, habe das Gericht aber nicht mit letzter Sicherheit feststellen können. „Wir mussten es aber auch nicht. Wir mussten nur feststellen, ob einer von ihnen an den Verletzungen des Dr. Gsell schuldig war. Und das konnten wir klar verneinen“, sagte Neuhof.

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