• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama

„Ratten“ im Bekanntenkreis

07.11.2019

Moskau Wo sich die Moskauer Aktionskünstlerin Nadeschda Tolokonnikowa von der Punkband Pussy Riot gerade aufhält, will sie lieber nicht sagen. Scheinbar überall lauern die russischen Behörden der kremlkritischen Aktivistin auf. Als sie im September mit ihrer 17-jährigen Schwester und einem Plakat mit der Aufschrift „Putin, geht von selbst!“ das Haus verließ, fanden sich beide kurz darauf im Polizeigewahrsam wieder. „Dass ich festgenommen werde, daran habe ich mich gewöhnt“, sagt sie vor ihrem 30. Geburtstag an diesem Donnerstag. „Aber dieses Gefühl, ständig verfolgt und beobachtet zu werden, ist viel schlimmer.“

Der Kontakt mit Nadya Tolokno, wie sie sich in sozialen Netzwerken nennt, kommt fast konspirativ wie in einem Agentenfilm zustande. Ein Telefonat mitten in der Nacht. „Es ist erhebend, wenn ich sehe, was sich heute tut, was Pussy Riot bewegt hat – wovon wir zwar geträumt haben, aber nie glaubten, dass sich alles so entwickelt“, sagt sie.

Klar ist ihr aber auch, dass die Arbeit immer auch lebensgefährlich ist. Als Pjotr Wersilow, der Vater ihrer Tochter, im vergangenen Jahr einen mutmaßlichen Giftanschlag überlebte und in der Berliner Charité behandelt wurde, sprach sie von einem Mordanschlag. „Wir kämpfen hier gegen einige der wohl einflussreichsten Menschen auf diesem Planeten. Sie werden nicht einfach von der Macht lassen“, meint sie mit Blick auf den Apparat von Kremlchef Wladimir Putin. Der Kreml und die Kirche in Russland halten Tolokonnikowa für vom Teufel besessen.

Die Bewegung aus Feministinnen, die in bunten Strumpfmasken etwa gegen Korruption und autoritäre Gewalt protestieren, gilt längst international als Symbol radikaler politischer Aktionskunst. Wegen eines Videos in einer Kirche gegen Putin landete Tolokonnikowa mit ihrer Bandkollegin Maria Aljochina 2012 im Straflager.

„Aktuell beschäftigt uns vor allem die verbreitete häusliche Gewalt gegen Frauen in Russland – Schläge, Vergewaltigungen und Morde“, sagt Tolokonnikowa, die zu den Mitbegründern des Internetportals „Mediazona“ in Moskau gehört. Dauerbrenner aber bleibe die von Menschenrechtlern beklagte zunehmende politische Repression in Russland. Dennoch sieht Nadya Tolokno auch Hoffnungszeichen: Teenager und junge Russinnen, die trotz allem mutig auf die Straße gingen. „Es kommen 17-Jährige, die sagen: Pussy Riot ist der Grund, weshalb ich politisch aktiv geworden bin“, erzählt sie.

Bei der Wahl ihrer Freunde werde sie aber immer vorsichtiger, erzählt Tolokonnikowa. Sie müsse sehr aufpassen, dass sich nicht jemand vom Inlandsgeheimdienst FSB einschleiche. Die Gefahr solcher „Ratten“ im Bekanntenkreis sei groß.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.