MOSKAU - Deutschlands Beitrag war wieder kein Knaller beim Eurovision Song Contest (ESC). Die Striptease- Künstlerin Dita von Teese mit Reiterpeitsche und der US-Sänger Oscar Loya vom Typ Latin-Lover brachten die Fans in Moskau beim 54. ESC-Finale nicht in Wallung. Die ernüchternde Bilanz: Platz 20 von 25 – immerhin nicht Schlusslicht wie die „No Angels“ im Vorjahr. Als Strahlemann des glamourösen Abends stellte der norwegische Teufelsgeiger Alexander Rybak alle Interpreten in den Schatten.

Der 23-Jährige holte mit dem Siegertitel „Fairytale“ über sein persönliches Märchen von der ersten Liebe das beste Ergebnis in der Geschichte des internationalen Musikwettbewerbs. Satte 16 Mal erhielt der gebürtige Weißrusse, der dem Publikum nach der Show auf Russisch dankte, die Höchstwertung von zwölf Punkten. Das waren 387 Zähler – mehr als das Zehnfache der Wertung für das deutsch-amerikanische Duo „Alex Swings Oscar Sings“, das mit „Miss Kiss Kiss Bang“ auf 35 Punkte kam – vor allem dank Litauen, Slowenien und Norwegen.

Zum ersten Mal seit Jahren gab es keinen Streit um den Sieger, wie ihn etwa der russische Vorjahresgewinner Dima Bilan („Believe“) erlebte. Wohl auch, weil erstmals seit 1996 wieder flächendeckend Jurys neben dem Televoting zum Einsatz kamen, verstummte die Diskussion darüber, ob sich befreundete Nationen gegenseitig die Punkte zuschusterten. Allerdings konnte das in Deutschland kaum gespielte Lied „Miss Kiss Kiss Bang“ auch die Juroren im Ausland nicht überzeugen. Dabei hatten sich Dita, Oscar und Alex mit ihrer swingig-frivolen Show im Hamburger „Reeperbahn“-Flair mächtig ins Zeug gelegt.

Bei Deutschlands größter Grand-Prix-Party auf St. Pauli lobte ARD-Fernsehmoderator und Musiker Thomas Anders den Auftritt. Auch Schlagerbarde Guildo Horn, einst selbst Grand-Prix-Teilnehmer und diesmal Jury-Mitglied, pflichtete bei. „Sie haben sich Mühe gegeben, es war kein schiefer Ton dabei“, spielte er auf den letzten Platz für Deutschland der No Angels im vergangenen Jahr an.

Die Show war zwar mit einer Einschaltquote von durchschnittlich 31,1 Prozent das deutsche Fernsehereignis des Abends, wie Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Unterhaltung, sagte. Dennoch sei das Moskauer Ergebnis für das „exzellente Team“ eine Enttäuschung. „Für uns heißt das: Wir müssen beim Eurovision Song Contest radikal neue Wege gehen.“