MüNCHEN - Die Verdächtigen beteuern ihre Unschuld, die angeblichen Vernehmungsprotokolle der betroffenen Frauen aber sprechen eine andere Sprache. BMW- und Altana-Großaktionärin Susanne Klatten (46) sowie zwei weitere Frauen sollen ausgesagt haben, dass sie der Schweizer Helg Sgarbi nach Strich und Faden belogen hat, um an ihr Geld zu kommen.
Während die Münchner Staatsanwaltschaft zu den Inhalten ihrer Ermittlungen schweigt, hat das italienische Magazin „L’Espresso“ die angeblichen Protokolle der Aussagen in einer italienischen Übersetzung ins Internet gestellt. Der Leiter der Münchner Staatsanwaltschaft, Christian Schmidt-Sommerfeld, wollte am Freitag die Authentizität der Aussage Susanne Klattens nicht bestätigten.
Laut Veröffentlichung schildert die dreifache Mutter auf zwölf Seiten ihre Beziehung zu dem heute 43-Jährigen: Wie sie den vermeintlichen Unternehmer im Juli 2007 kennenlernte – und wie sie ihm später in einer Hotelgarage sieben Millionen Euro übergeben habe, um ihm in einer angeblichen Notlage zu helfen. Etwa drei Wochen später habe er erneut von Geld gesprochen. Sie habe daher den Eindruck gewonnen, „dass die Frage eine reale Gefahr für die ganze Familie geworden ist“, und die Beziehung beendet.
In einem Briefumschlag habe Sgarbi der verheirateten Unternehmerin Mitte Oktober 2007 erstmals Fotos von einem gemeinsamen Treffen zukommen lassen. Er habe „viermal seven up“ gefordert – viermal sieben Millionen Euro, später dann 14 Millionen Euro.
Die drei veröffentlichten Dokumente zeigen, dass Sgarbi im Jahr 2007 offenbar mehrere Beziehungen zu reichen deutschen Frauen gleichzeitig hatte. Neben den sieben Millionen Euro von Susanne Klatten erhielt er den Aussagen zufolge mehr als zwei Millionen Euro von Marie Luise H. sowie 300 000 Euro von Monika S. Es gebe auch Hinweise auf weitere Opfer.
Die Geschichten, die der Charmeur den Damen erzählte, variierten. Mal war er in Südamerika geboren, mal wuchs er dort nur auf. Mal hatte er gute Kontakte zu Deutsche-Bank-Chef Ackermann, mal sprach er von einer wichtigen Funktion bei der Schweizer Armee.
Der Anwalt von Sgarbis mutmaßlichem italienischen Komplizen weist sämtliche Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück. Auch die gegen Sgarbi erhobenen Anschuldigungen ließen sich nicht belegen, sagte Sabatino Ciprietti dem ZDF-Magazin „ML Mona Lisa“. „Es gab freundschaftliche Beziehungen und vielleicht Gefühle, und diese Damen haben es wahrscheinlich für richtig gehalten, Geld zu geben. Das ist zumindest das, was sie sagen, aber es gibt keine Beweise.“
