MüNCHEN - Ha­ben Geister einen Geburtstag? Bei Klabautermann Pumuckl ist selbst seine „Mutter“, die Münchner Schriftstellerin Ellis Kaut, nicht ganz sicher: „Ich kann es selbst als Autorin nicht sagen, ob er Geburtstag hat oder nicht.“ Schließlich sei er ein Geistwesen. „Er ist nicht von dieser Welt“, sagt die 91-Jährige.

Allerdings sei sie in der Frage nicht immer konsequent gewesen. Im Jahr 1970 ließ sie ihn etwa in „Pumuckl will Geburtstag haben“ sagen, er sei genau vor „siebzigdreizehn Jahren“ auf die Welt gekommen. Ein andermal skandiert der Kobold: „Geburtstag ist ein schöner Tag, ich jeden Tag Geburtstag mag.“

Auf den 21. Februar 1962 datiert jedenfalls der Bayerische Rundfunk den ersten Tag im Leben des Quälgeistes: Damals erlebte der rothaarige Kobold zumindest seine mediale Geburt. Mit „Spuk aus der Werkstatt“ wurde das erste Pumuckl-Hörspiel gesendet. Wenige Jahre später folgten die Romane, in den 80er Jahren die Serie und der Film.

Die ersten Worte des Kobolds in der Werkstatt von Schreinermeister Eder waren weder „Mama“ noch „Auto“, sondern: „Pumuckl neckt, Pumuckl versteckt, niemand entdeckt!“ Die Stimme lieh ihm Schauspieler Hans Clarin (1929–2005), der wie ein echter Klabautermann von der Küste – aus Wilhelmshaven – stammte und Pumuckl über Jahrzehnte seinen Ton-Charakter gab. Den gutmütigen bayerischen Meister Eder verkörperte in zahlreichen Hörspielen Alfred Pongratz und im TV Gustl Bayrhammer.

Die Lebensumstände des kleinen Frechdachses sind nicht leicht zu fassen. Die Frage etwa, ob er eine Freundin haben darf, musste gerichtlich entschieden werden. Seine ursprüngliche Zeichnerin Barbara von Johnson hatte Kinder in einem Wettbewerb eine Gefährtin malen lassen. Das Münchner Landgericht erlaubte das zwar nach monatelangem Gezerre. Doch die Erfinderin Kaut fand eine Gespielin für den Kleinen „unappetitlich“ – nicht zuletzt sah sie ihre Autonomie über Pumuckls Biografie in Gefahr.

Vor ein paar Jahren bei der Vorstellung ihrer Autobiografie „Nur ich sag ich zu mir – Mein Leben mit und ohne Pumuckl“ lüftete Kaut das Geheimnis von Pumuckls Entstehung – nämlich bei einem Skiurlaub in der Schweiz. Als sie ihren Mann mit Schnee bewarf, nannte der sie einen „rechten Pumuckl“.