München - Die Hotels sind ausgebucht, die Straßen verstopft, die U-Bahnen trotz Extra-Zügen überfüllt: München schaltet an diesem Samstag wieder in den Oktoberfest-Modus. Sechs Millionen Menschen drängen innerhalb von 16 Tagen zum Festplatz mit seinen Bierzelten, Fressbuden und Fahrgeschäften.
Wer bei der Wiesn an saftiges Gras und bunte Blumen denkt, liegt falsch. Vielmehr wächst auf dem 34 Hektar großen Gelände kaum ein Halm. Dort, wo Darstellungen aus den Anfangszeiten tatsächlich eine grüne Fläche zeigen, dominiert heute Schotter. Wiesn heißt das Fest, weil es auf der Theresienwiese gefeiert wird – benannt nach Therese von Sachsen-Hildburghausen.
Ein Stück echte Wiese gibt es im Süden des Geländes, zur Wiesnzeit ist es allerdings ein Parkplatz. Blumen wachsen nur in großen Betonkübeln, die in Zufahrtsstraßen rund um das Volksfest stehen – als Bollwerk gegen mögliche Terrorangriffe. Übers Jahr ist die Theresienwiese eine Freizeitfläche für Anwohner, Hundebesitzer und Jogger.
Ursprünglich war es wirklich ein Oktoberfest: Ganz München feierte vom 12. Oktober 1810 an fünf Tage lang, als Kronprinz Ludwig – der spätere König Ludwig I. – Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen heiratete. In den folgenden Jahren wurde das Fest wiederholt. 1818 wurden das erste Karussell und zwei Schaukeln aufgestellt, um 1880 kamen mehr Fahrgeschäfte und Schaubuden hinzu. Allerdings kann es im Oktober schon kalt sein: Schlechtes Wetter – schlechtes Geschäft.
1872 wurde das Fest erstmals früher gefeiert, 1904 beschloss der Magistrat dann offiziell die Vorverlegung. Schon 1829 hatte es entsprechende Vorschläge gegeben, die aber aus Rücksicht auf umliegende Bauern abgelehnt wurden – sie sollten ihre Ernte einbringen, bevor Besucher diese niedertrampelten.
Bier ist und bleibt die wichtigste Essenz des Festes. Rund 7,7 Millionen Liter rannen im vergangenen Jahr durch durstige Kehlen. Mit gut 6 Prozent Alkohol ist es stärker als gewöhnliches Bier – und es wird nur literweise ausgeschenkt. In feucht-fröhlicher Stimmung merkt mancher die Wirkung zu spät. Mehrere Hundert Besucher müssen deshalb alljährlich auf der Sanitätswache behandelt werden. Ist der Maßkrug leer, scheint er vielen als schönes Souvenir: Rund 120 000 Mal wurden Gäste im vergangenen Jahr beim Klau-Versuch erwischt.
Bei Bier und fetzigen Schlagern kommt man sich leicht näher. Bei der Dame zeigt die Dirndlschürze, wie es um sie steht: Schleife links: zu haben. Rechts: vergeben.
