MüNSTER - Die Lebensgewohnheiten sind auch bei Kindern wichtige Risikofaktoren. Das haben die Forscher in Münster herausgefunden.
Von Susan Schädlich
MÜNSTER - In Annika Meises Kopf rauscht es gewaltig. Alle paar Monate kommt die 13-Jährige aus Bochum in die Universitätsklinik Münster, legt sich auf eine Pritsche und verzieht keine Miene, wenn Arzt Ronald Sträter ihr das kühle Ultraschall-Gel auf die Schläfe reibt. Die Prozedur ist Routine für die Siebtklässlerin – und lebenswichtig. Denn im April 2005 verstopfte ein Gerinnsel eine Arterie in Annikas Gehirn. Die damals Elfjährige erlitt einen Schlaganfall.Bei Kindern sind Schlaganfälle vergleichsweise selten. Etwa 300 bis 700 Kinder und Jugendliche in Deutschland trifft es jedes Jahr. Die Klinik in Münster leitet seit 1996 die bundesweite Datenbank zu Schlaganfällen bei Kindern.
Annika Meise erinnert sich an ihren Schlaganfall nur noch ungenau. Als es passierte, habe sie auf einem Stuhl in ihrem Zimmer gesessen, erzählt sie. „Und plötzlich war meine ganze linke Seite taub.“
Professor Ulrike Nowak-Göttl wertet eine Langzeitstudie mit Daten zu deutschen Kindern und Jugendlichen mit Schlaganfällen aus. Ergebnis: Häufiger als Gefäßerkrankungen lösen genetische Faktoren und Herzleiden die Infarkte bei Kindern aus.
Doch bei allen Unterschieden zu Erwachsenen kam die jüngste Studie auch frappierenden Parallelen auf die Spur: Demnach sind auch bei Kindern die Lebensgewohnheiten Risikofaktoren.
Passivrauchen, Bewegungsmangel und falsche Ernährung erhöhten das Risiko für Schlaganfälle bei Kindern um bis zu 30 Prozent, sagt Nowak-Göttl. Beeindruckende Zahlen, wenn man bedenkt, dass die Kinder zum Zeitpunkt des Infarktes im Durchschnitt erst fünf Jahre unter diesen Bedingungen lebten.
Annika hat Glück gehabt. Sie spürt heute keine Folgen des Schlaganfalls mehr und muss lediglich ein bisschen vorsichtiger sein als andere Kinder. Kampfsportarten hatten es ihr allerdings noch nie angetan. „Aber Karussellfahren soll ich zur Zeit besser nicht, das habe ich immer gern gemacht.“
