München - Weil angeblich ein Fünf-Euro-Schein verschwunden war, soll ein Polizist in München eine Schulklasse zu Leibesvisitationen gezwungen haben. Mindestens ein Schüler habe sich ganz ausziehen müssen, berichteten mehrere Medien. Mädchen hätten ihre Büstenhalter öffnen, ein Junge habe seine Unterhose herunterziehen müssen. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagte der „Süddeutschen Zeitung“, dass gegen den Polizisten ein Verfahren wegen Nö­tigung laufe. „Wenn Strafanträge seitens der Eltern kommen, müssen wir überprüfen, ob der Tatbestand Beleidigung auf sexueller Basis zutrifft.“

Ausgangspunkt war eine Schulung in Zivilcourage, die ein 44 Jahre alter Polizist in der vergangenen Woche in einer achten Klasse an einer Münchner Wirtschaftsschule gehalten hatte. Eine 16-Jährige behauptete bei der Veranstaltung, ihr sei ein Fünf-Euro-Schein gestohlen worden. Der Polizist habe den Täter aufgefordert, sich zu stellen. Weil sich jedoch niemand meldete, habe er Verstärkung angefordert und mit drei weiteren Beamten die Schüler durchsucht. Einem Jugendlichen, der sich weigerte, seinen Slip auszuziehen, soll mit einer Anzeige gedroht worden sein. Ein Fünf-Euro-Schein tauchte nicht auf.

Laut „Süddeutscher Zeitung“ sind alle vier Beamten weiterhin im Dienst. Der 44-Jährige sei jedoch von seinen Aufgaben als sogenannter Jugendbeamter entbunden worden. Diese Beamten sollen Kontakt zu Jugendlichen suchen, um sie von Straftaten abzuhalten oder einfach um als polizeilicher Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.